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NAMEN & NACHRICHTEN

Goldman Sachs zahlt seinen Bankern 285 000 Euro pro Kopf

24.06.2012


Wer ist der teuerste Banker im Land? Anshu Jain schlägt wohl Alexander Dibelius. Den deutschen Staat beglücken beide.


Von Georg Meck
Der Mann liebt den Wettbewerb. Ob in Sport oder Beruf - stets will Alexander
Dibelius der Erste, der Schnellste, der Beste sein. Meist gelingt es auch.
Goldman Sachs - das Haus, dem der Investmentbanker in Deutschland vorsteht -
behauptet sich weltweit als die Nummer eins unter den Einfädlern von Fusionen
und Übernahmen. Ist Dibelius deshalb auch der wertvollste Banker im Land?
Verdient er mehr als die Top-Manager aus der Industrie, die er berät?

Bisher haperte es an der Empirie für solche Urteile, im Gegensatz zur
Muttergesellschaft in Amerika drangen von Goldman Sachs in Deutschland keine
Zahlen nach draußen, nicht zum Gewinn, schon gar nicht zum Gehalt der
Spitzenbanker.

Das ändert sich nun: Zum ersten Mal hat Goldman Sachs einen Jahresabschluss im
Bundesanzeiger veröffentlicht. Nötig wurde dies durch einen Wechsel der
Rechtsform. Die Goldmänner firmieren in Deutschland neuerdings als
Aktiengesellschaft, das erhöht die Pflicht zur Publizität. Und so erfährt das
Publikum, dass die goldenen Zeiten auch für sie vorerst vorbei sind: Die Krise
hat die Firma durchgerüttelt. Die Provisionserträge aus Fusionen und Übernahmen
seien "nochmals deutlich gesunken", meldet Goldman Sachs Deutschland. Das
Neugeschäft mit privaten Investoren bleibe "hinter den ursprünglichen
Erwartungen zurück".

Und so wundert es nicht, dass auch die Gehälter absacken. Gewiss, die
Investmentbanker halten Distanz zu den gesetzlichen Mindestlöhnen. Weh tut es
ihnen aber doch, wenn die Bonustöpfe ähnlich leer sind wie beim Rest der
Branche. Die Ausgaben für Löhne und Gehälter hat Goldman Sachs in Deutschland
von 52 Millionen Euro auf 39 Millionen Euro drastisch zusammengestrichen. Da der
Personalstand praktisch unverändert blieb, heißt das: Lohneinbußen um 25
Prozent. Da die 39 Millionen auf 137 Köpfe zu verteilen sind, bedeutet das
wiederum: Im Schnitt verlässt jeder Goldman-Angestellte den Frankfurter
Messeturm mit einem Jahresgehalt von 284 671 Euro, Bonus und sonstige
Annehmlichkeiten inklusive.

Wie viel mehr die drei Geschäftsführer kassieren - neben Alexander Dibelius sind
dies Matthias Bock und Philip Holzer - verrät die Firma nicht. Im Gegensatz zu
den Dax-Konzernen, welche die Vorstandsgehälter einzeln ausweisen müssen,
entgeht die Goldman Sachs AG dieser Pflicht, da sie nicht an der Börse notiert
ist.

Aus den vorliegenden Gesamtzahlen schließen Kenner der Szene das Jahresgehalt
von Dibelius irgendwo unter fünf Millionen Euro - weit weg jedenfalls von den
zweistelligen Millionenbeträgen, wie sie für Investmentbanker in London und New
York lange Zeit üblich waren. Für 2011 hat selbst Goldman Sachs-Weltchef Lloyd
Blankfein nur noch 12,4 Millionen Dollar, inklusive Boni und sonstigen
Zuwendungen, eingestrichen - 35 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Da
Deutschland-Chef Dibelius zwar das globale Geschäft mit Industriekunden
verantwortet, aber nicht zur engsten Führung des Wall-Street-Konzerns gehört,
liegt er in jedem Fall eine Klasse darunter. Dies hat zur Folge, dass ihm dem
Anschein nach der Titel als "bestbezahlter Banker des Landes" entgeht.

Dibelius hält zwar Commerzbank-Chef Martin Blessing, der lange mit 500 000 Euro
abgespeist wurde (was sich 2012 ändert), auf Abstand, an einem Anshu Jain, seit
Anfang Juni Co-Chef der Deutschen Bank, kommt er aber kaum vorbei. In seinen
Zeiten als Chef der Londoner Investmentbanker wurden Jain höhere Gehälter als
dem damaligen Chef Josef Ackermann nachgesagt, für 2011 weist die Bank 5,8
Millionen Euro Jahresbezüge aus (nach 7,6 Millionen Euro im Vorjahr).

Wie stets gilt freilich: Brutto ist nicht gleich netto, der deutsche
Spitzensteuersatz kommt voll zur Geltung. Obwohl Jain wie Dibelius Immobilien in
London besitzen, beglücken sie hierzulande die Finanzämter, da sie ihren
Wohnsitz hier haben: Jain neuerdings in Frankfurt, Dibelius schon lange in
München. Beide versteuern ihre Gehälter also in Deutschland, betonen sie. Darauf
legen sie Wert. Der Ruf des Bankers als solchem ist schlecht genug.