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Jürgen Fitschen und Anshu Jain geben sich bescheiden

12.09.2012


Die Deutsche Bank betont die Ausrichtung auf Kundenbedürfnisse und verschärft Boni-Regeln für Topmanager


gb. FRANKFURT, 11. September. Der um Bescheidenheit bemühte Auftritt von
Bankern ist zeitgemäß geworden. Und so geben sich auch Jürgen Fitschen und Anshu
Jain, die beiden Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, anlässlich der
Vorstellung ihrer Strategie für die kommenden Jahre bescheiden. "Wir sind stolz
auf die Kultur der Deutschen Bank", bekräftigt Jain, um seine Äußerung sofort
ein wenig zu relativieren. "Aber in der Vergangenheit wurden auch große Fehler
gemacht."

Der kulturelle Wandel, über den Fitschen und Jain im Hermann-Josef-Abs-Saal der
Deutschen Bank in Frankfurt sprechen, verbindet ein Festhalten an Erprobtem wie
der Leistungsorientierung und der internationalen Ausrichtung bei gleichzeitiger
fester Verankerung im deutschen Heimatmarkt, mit einer stärkeren Hinwendung zu
einer längerfristigen Ausrichtung des Geschäfts sowie einer Vertiefung der
Kundenbeziehungen. Um die neue Zeit zu demonstrieren wurde das Podium mit den
Vorstandsmitgliedern an eine Seitenwand gerückt. Unter Josef Ackermann thronte
der Vorstand an einer Stirnseite des Saals.

Jain hat eine Grafik mitgebracht, in der ausführlich die Leistungen des
Investmentbanking für die Kunden dargestellt werden. Noch vor wenigen Jahren
wäre dies kaum denkbar gewesen; da standen die Erträge der Sparte im
Vordergrund. Nur einmal wirkt Jain ein wenig unsicher, als ein Journalist fragt,
wie ausgerechnet Jain als reinrassiger Investmentbanker befähigt sein soll,
einen kulturellen Wandel herbeizuführen. Jain verweist den Fragenden an den
Aufsichtsrat. Und betont, dass der notwendige kulturelle Wandel nicht über Nacht
zu erreichen sei.

Die Exzesse des Investmentbanking sind von einer empörten Öffentlichkeit nicht
zuletzt an den hohen Bonuszahlungen für Beschäftigte festgemacht worden. Die
Deutsche Bank verspricht hier nicht nur Besserung; sie erhofft sich, als Modell
für Veränderungen in der Branche angesehen zu werden. Nicht vergessen werden
darf, dass sich in den vergangenen Jahren schon einiges geändert hat. So betrug
der Anteil der Boni an den Nettoerträgen der Bank im Jahr 2006 immerhin 22
Prozent. 2011 belief sich dieser Anteil nur mehr auf 11 Prozent.

Fitschen und Jain kündigten die Gründung eines Gremiums aus unabhängigen
Fachleuten aus mehreren Ländern an, das die Vergütungsmodelle der Deutschen Bank
überprüfen soll. Die Empfehlungen dieses Gremiums sollen bereits bei der
Jahresvergütung für 2012 berücksichtigt werden. Die Ankündigung wäre
wirkungsvoller gewesen, hätte Fitschen nicht ergänzt, der Vorsitzende des
Gremiums sei gefunden und sein Name ebenso wie seine Telefonnummer vielen
Journalisten bekannt - aber leider könne man den Namen des Mannes nicht nennen,
weil dieser noch über die Inhalte seiner neuen Tätigkeit nachdenken wolle.

In ihrem Anspruch, in ihrer Branche als Vorreiter wahrgenommen zu werden, soll
sich der Zeitrahmen für die Auszahlungen von Boni an rund 150 Spitzenmanager
ändern. Sie erhalten ihre Boni überwiegend in Aktien, allerdings verbunden mit
einer Wartefrist: Jeweils ein Drittel der Aktien wird bisher in den drei auf die
Zuteilung folgenden Jahren an die Empfänger ausgegeben. Nunmehr werden die
Aktien erst nach 5 Jahren auf einen Schlag ausgegeben. Bei schweren Verstößen
gegen Gesetze oder bankinterne Regeln kann die Bank von einer Zuteilung dieser
Aktien absehen.

Zur Kultur unter Fitschen und Jain gehört das Bekenntnis zur eminenten Bedeutung
des deutschen Heimatmarkts, das es früher auch gegeben hat. Aber es wurde auch
schon unauffälliger vorgetragen. Unüberhörbar ist zudem das Bekenntnis zum
Nutzen der Universalbank in einer Zeit, in der Vorstände aus anderen Branchen
sowie manche Politiker und Regulierer öffentlich über die Vorzüge des
Trennbankensystems nachdenken.