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MARKT & STRATEGIE

"Die Banken stehen vor mageren Jahren"

19.09.2012


Ernst & Young erwartet Mitarbeiterabbau / HSH Nordbank mit höchster Risikovorsorge


FRANKFURT, 18. September Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young
hält die Sorgen vieler deutscher Banken vor sinkenden Gewinnen im zweiten
Halbjahr für berechtigt. "Die Banken stehen vor schwierigen Monaten und mageren
Jahren", sagt der für die Bankenprüfung verantwortliche Dirk Müller-Tronnier.
Die schwächere Konjunktur in Deutschland und zunehmende Unternehmeninsolvenzen
erhöhten das Risiko von Kreditausfällen, für das Banken zulasten ihres Gewinns
vorsorgen müssten. Schrumpfende Zinserträge wegen niedriger Zinsen und wegen
eines von der Aufsicht verlangten höheren Liquiditätsvorrats belasteten ebenso
wie die im Kapitalmarktgeschäft wohl kaum ausgestandene Staatsschuldenkrise.
Müller-Tronnier erwartet, dass die Banken schrumpfen, Kosten senken und
Mitarbeiter abbauen werden: "Alle Kostenarten müssen auf den Prüfstand gestellt
werden - einschließlich der Personalausgaben. Zudem verkaufen die Banken
Randaktivitäten, was auch zu rückläufigen Beschäftigenzahlen führt."

In einer Betrachtung der Halbjahresgeschäftszahlen von 13 deutschen Banken
lassen sich einige der prognostizierten Trends schon ablesen. So wiesen
lediglich Deka und Landesbank Berlin höhere Ergebnisse als im Vorjahreshalbjahr
auf. Nur eine von 13 Banken, die Bayern LB, konnte mehr Provisionen einnehmen.
Dagegen mussten zehn Banken mehr für Risiken aus dem Kreditgeschäft zurücklegen.
Mit deutlichem Abstand vor der Nord LB mit 112 Millionen hatte die HSH Nordbank
mit 428 Millionen Euro die höchste Risikovorsorge zu treffen. HSH Nordbank mit
29 Milliarden und Nord LB mit knapp 20 Milliarden Euro sind die größten
Schiffsfinanzierer. Die Konjunkturflaute der Reeder hat die Commerzbank sogar
dazu bewogen, keine neuen Schiffe zu finanzieren. Die Bank hat 17 Milliarden an
Schiffkrediten vergeben und ist drittgrößter Schiffsfinanzierer.

Die Commerzbank hat im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011 die Kosten von allen
13 Banken am stärksten gesenkt - um fast 16 Prozent. Andere wie die Bayern LB
mit einem Anstieg um 16 und die Helaba mit einem Zuwachs um fast 7 Prozent
hatten ihre Kosten dagegen weniger unter Kontrolle. Dabei fiel die
Mitarbeiterzahl von immerhin acht Banken, am stärksten bei der Commerzbank, die
mit 56 220 rund 2000 Mitarbeiter weniger beschäftigt als vor einem Jahr. Auch
die Landesbank Baden-Württemberg verringerte die Mitarbeiterzahl um fast 600 auf
11 600, während in der Deutschen Bank der Abbau von 342 auf 100 650 Mitarbeiter
erst der Beginn von Stellenstreichungen ist. Die DZ Bank erhöhte sogar die Zahl
ihrer Mitarbeiter um fast 350 auf nun 28 200.

HANNO MUSSLER