Home


FAZ.NETStellenangebote für Fach- und Führungskräfte auf FAZjob.NET, jetzt informieren
Das Jobportal für Fach- und Führungskräfte

Twitter - FAZjob.NET Facebook - FAZjob.NET




MENSCHEN & WIRTSCHAFT

Die Mannschaft ist der Star

18.09.2012


Dass Wolfgang Matis im neuen Machtgefüge der Deutschen Bank an Gewicht gewinnt, kommt der DWS zugute


Im Fußball zählt es zu den vielen rituellen Freundlichkeiten eines
ansonsten harten Profigeschäfts, dass der Schütze zum alles entscheidenden
Treffer der Mannschaft den Sieg zuspricht. Da gehören sich dann gegenüber den
Fernsehkameras Sätze wie "Wir haben gemeinsam diesen Sieg errungen". Im Fall von
Wolfgang Matis wäre ein solcher Spruch keine Floskel. Denn dass der Sprecher der
Geschäftsführung der DWS Investment GmbH zum Leiter aller Investmentfonds im
Reich der Deutschen Bank aufsteigt, ein Sieg der ganzen Mannschaft: Durch Matis'
Berufung wird die DWS im neuen Geschäftsbereich "Asset & Wealth Management" der
Deutschen Bank insgesamt aufgewertet.

Es ist jedoch auch sein persönliches Verdienst, obwohl er lange schon zu den
engen Vertrauten von Anshu Jain, dem Ko-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen
Bank, zählt. Dass Matis Jain nahestand, als Matis eine tragende Rolle im
deutschen Kapitalmarktgeschäft der Deutschen Bank spielte, steht außer Frage.
Wie sonst hätte er diese Funktion in einem der wichtigsten Märkte der Deutschen
Bank im März vergangenen Jahres übernehmen können? Und dass der damalige Leiter
der Sparte Asset Management, Kevin Parker, erwiesenermaßen kein Freund Anshu
Jains war, ist auch hinlänglich bekannt.

Matis' Karriere ist im modernen Bankwesen ungewöhnlich. Denn sie reduziert sich
auf einen Arbeitgeber, die Deutsche Bank. Dort begann er vor 35 Jahren, 1977,
als Wertpapierhändler. 1990 stieg er zum Leiter des Rentenhandels in Deutschland
auf und wurde 1996 zum Leiter des Rentenhandels Europa befördert, 1998 dann zum
Leiter des globalen Rentengeschäfts. Auch als die angelsächsischen
Investmentbanker, erst unter dem später mit einem Flugzeug verunglückten Edson
Mitchell, dann unter Anshu Jain, das Kapitalmarktgeschäft der Deutschen Bank
entscheidend prägten, setzte sich die Karriere Matis' in der Deutschen Bank
fort. Unter Jain wurde Matis 2002 Leiter Global Markets Europa, 2004 Leiter des
Aktien- und Zinsgeschäfts in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Matis, der keinen Universitätsabschluss abgelegt hat, machte eine
Ausnahmekarriere in der Deutschen Bank; von Männern wie ihm gibt es nicht viele
in dem Finanzkonzern. Innerlich hatte er sich wohl schon in den Ruhestand
verabschiedet, als der Ruf an die Spitze der DWS erfolgte. Damals war Matis
gerade 54 Jahre alt, noch viel zu jung für die Rente, aber schon ein Senior im
Kapitalmarktgeschäft. Klaus Kaldemorgen, der immer lieber Fondsmanager als
Manager war, wollte nicht länger die Geschäfte von Deutschlands größter
Fondsgesellschaft führen. Obwohl Matis stets ein Mann der Kapitalmärkte war,
reizte ihn die Aufgabe, die DWS wachzurütteln.

Zahlreiche Führungswechsel, einige unglückliche Personalentscheidungen und eine
gewisse Orientierungslosigkeit lagen damals wie Mehltau auf der DWS. Die Lage
war nicht dramatisch, die Marktführerschaft unangefochten. Es war so, als holte
der FC Bayern zwei Jahre lang keinen einzigen Titel, ohne wirklich abzustürzen.

Matis' Erfahrung im Kapitalmarktgeschäft könnte ihm nun helfen, das
Fondsgeschäft in der Deutschen Bank und "draußen am Markt", wie die
Wertpapierhändler gerne sagen, zu stärken. Dass sich Matis und Faissola, der
neue Bereichsleiter der gesamten Vermögensverwaltung der Deutschen Bank, aus
gemeinsamen Zeiten im Kapitalmarktgeschäft gut kennen, dürfte von Vorteil sein.
Matis' Einflussbereich wächst unter Faissola um die Vermögensverwaltung für
institutionelle Anleger wie Versicherer, Vermögensverwalter oder
Altersvorsorgeeinrichtungen. Die Deutsche Bank litt traditionell darunter, dass
die institutionelle Vermögensverwaltung und das Fondsgeschäft der DWS mit
Privatanlegern voneinander getrennt waren.

Bisher ist es der Deutschen Bank nicht gelungen, im internationalen
Fondsgeschäft auch nur annähernd die Position zu erlangen, die sie mit Fonds in
Deutschland einnimmt. Er wolle sich "daran messen lassen, dem globalen Anspruch
der DWS gerecht zu werden, das heißt, das Wachstum, das wir in den vergangenen
Jahren in Deutschland hatten, auf Asien und Amerika zu übertragen", sagte Matis
im Mai 2011 dieser Zeitung. Für einen Platz auf der Trainerbank fühlt er sich
definitiv zu jung. Er will noch selbst den einen oder anderen Treffer erzielen.

CHRISTIAN VON HILLER