Kolumne
Zwischen Minz und Klops herrschte Funkstille seit der letzten Budgetverschiebung. Da war es an den Sekretärinnen, sich einen klugen Ausweg einfallen zu lassen.
Von Georg M. Oswald

25. Mai 2012 Seit der letzten Budgetverschiebung waren die Verhältnisse zwischen Minz und Klops etwas angespannt. Offen gestanden herrschte Funkstille. Zwar hatte man halbherzig beiderseits erklärt, man könne etwaige Unstimmigkeiten einmal bei Gelegenheit aus der Welt schaffen, aber scharf darauf war keiner von beiden. Um ihr Bemühen echt aussehen zu lassen, beauftragten Minz und Klops dennoch beide ihre Sekretärinnen, in den nächsten Wochen einen gemeinsamen Termin zu vereinbaren. Zuvor hatten allerdings Minz wie Klops dafür gesorgt, dass ihre Kalender in diesem Zeitraum inklusive der Abendtermine vollständig zugepflastert waren. Dass man keine Zeit hatte, sollte so als eine Art höherer Gewalt erscheinen.
Die Sekretärinnen kostete es allerdings nur wenige Minuten herauszufinden, dass sowohl Minz als auch Klops sämtliche Europameisterschaftsspiele als Termine blockiert hatten. Damit ergab sich die Möglichkeit, nach der sie gesucht hatten. Sie waren sich schnell einig: Was konnte der Aussöhnung ihrer Chefs dienlicher seien, als ein gemeinsames vor dem Fernseher durchgestandenes Fußballspiel? Sie gingen die in Frage kommenden Paarungen durch. Ein gemeinsames Finale von Minz und Klops verwarfen sie sofort als zu emotional, zu ergreifend, der aktuellen Gefühlslage unangemessen. Ein Vorrundenspiel hingegen wäre zu unverbindlich und belanglos gewesen. Richtig erschien ein Viertelfinale, wenn möglich mit deutscher Beteiligung. Im günstigsten Fall würden sich Minz und Klops in den Armen liegen, im ungünstigsten könnten sie die Solidarität im Unglück erfahren, die im Sport und auch außerhalb schon so einige wieder zusammengebracht hatte.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Cyprian Koscielniak