Lehrerbildung
Die Lehrerbildung verspielt die Zukunft der Schule. Die Verkürzung der Einführungsphase auf ein Vierteljahr etwa in Hessen schmälert die Qualität erheblich.
Von Klaus Ru

7. Juni 2012 Seit dem 1. Mai 2012 ist Robert Schneider (Name geändert) eine LiV, eine Lehrkraft im pädagogischen Vorbereitungsdienst des Landes Hessen. Seine Ausbilderin für BRB (Beratung und Reflexion Berufsrolle - so die ministerielle Stummelsprache) hatte der LiV erläutert, die weibliche Pädagogik sei auf das Gender Mainstreaming zurückzuführen, das nunmehr alle Bereiche des Schulwesens im Sinne der Frauenförderung bestimme. Schneider wundert sich, schließlich hatte er in Kindergarten und Grundschule ausschließlich Frauen erlebt, und auch im Studienseminar, seiner neuen Dienststelle, ist die Mehrheit der LiV weiblich.
Im Studienseminar und in seiner Ausbildungsschule hat er bis zum 29. Juni 2012 Zeit, sich so weit zu qualifizieren, dass er nach den Sommerferien, vom 13. August an, zwölf Wochenstunden eigenverantwortlich und kompetent Unterricht geben kann. Er weiß noch nicht, dass das nicht gelingen wird - aber seine Ausbilder wissen es! Sie haben die letzten Monate damit verbracht, die sogenannten Module der Einführungsphase, die früher ein halbes Jahr dauerte, auf ein Vierteljahr zu reduzieren. Nun bleiben nur sechs Wochen, die den üblichen Schuljahresabschluss-Stress bescheren: Wandertage, Bundesjugendspiele und Sportfest, Schulkonzerte, Bücherrückgabe, Notengebung und Versetzungskonferenzen bestimmen die Vorferienzeit. Das mündliche Abitur und zentrale Abschlussprüfungen sorgen für zusätzlichen Wirbel. Zwei Feiertage nebst Brückentagen und Pfingstmontag kosten eine weitere Arbeitswoche. In diesem unvermeidlichen Kunterbunt soll die LiV durch Abschauen und Ausprobieren alle Grundlagen für ein professionelles Unterrichtshandeln entwickeln, um alsbald allein in den Klassen zu bestehen?
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa