Studentische Journals
Für die Schublade sind manche Hausarbeiten viel zu schade. Sie können in studentischen Journals veröffentlicht werden. Dort begutachten zuvor Professoren die Texte.
Von Philipp Alvares de Souza Soares

31. Mai 2012 Ein Thema suchen, in der Bibliothek staubige Regale durchstöbern und lesen, viel lesen. Die gesammelten Erkenntnisse schließlich in den Computer tippen und anschließend mit Fußnoten kämpfen. Dann endlich, wenn die zehn bis zwanzig Seiten im Drucker liegen, ist es geschafft: wieder eine Hausarbeit, mit der der Abschluss ein Stück näher rückt. Bis zur Absolventenfeier schreiben manche Studenten bis zu zwanzig Hausarbeiten. Sie machen viel Arbeit, und an Technik und Stil müssen sich Anfänger erst gewöhnen. Doch nach einigen Semestern kommen ab und an wirklich gute Texte heraus. Manchmal werden sogar ganz neue Gedanken zu Papier gebracht. Und wofür das alles? Meistens für die Schublade des Dozenten, des oft einzigen Lesers.
Zwei Studenten aus Münster wollten sich mit der Produktion für die Tonne nicht mehr abfinden. Sie fanden: Vieles, das da Jahr für Jahr geschrieben wird, war viel zu schade, um nur als Übung zu dienen. Im Auslandssemester in den Vereinigen Staaten erfuhren sie, dass es auch anders geht: Wissenschaftliche Zeitschriften, in denen Studenten ihre Arbeiten veröffentlichen können, haben dort eine lange Tradition. Diese Idee brachten sie 2005 nach Deutschland und gründeten das Journal 360 Grad. In ganz Deutschland sollte es erscheinen und Aufsätzen aus allen Fachrichtungen offenstehen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Peter v. Tresckow / F.A.Z.