Unternehmensnachfolge
Immer öfter übernehmen die Töchter deutsche Familienunternehmen. Darum gebeten hat sie niemand - schon gar nicht die Väter. Ihren Führungsanspruch melden sie selbst an.
Von Mareike Zeck

20. Juni 2012 Ausgerechnet eine Frau. Auf einer Messe kam sie auf Caroline Schwarz zu, die dort das Maschinenbauunternehmen ihrer Familie vertrat. Die Besucherin wollte den Geschäftsführer sprechen. Der ist gerade nicht da, aber vielleicht kann ich Ihnen weiterhelfen? Ich bin die Tochter und gehöre auch zur Geschäftsführung, antwortete Schwarz. Ach, haben Sie keinen Bruder?, war alles, was der Besucherin daraufhin einfiel. Und ob. Aber der macht Karriere als Arzt. Und an seiner Stelle hat sich die selbstbewusste Schwester die Unternehmensnachfolge gesichert. Ich habe früh gemerkt, dass ich eine Führungspersönlichkeit bin, sagt Schwarz. Die Achtundzwanzigjährige will selbst gestalten, Mitarbeiter zu Leistung anleiten und etwas verändern: Im eigenen Familienunternehmen sind den Möglichkeiten da keine Grenzen gesetzt.
Wenn da nicht der Vater wäre. Der hatte eigentlich zuerst an den Sohn gedacht, als er sich mit fast fünfzig zum ersten Mal Gedanken über die Nachfolge für den Maschinenbaubetrieb der Familie machte. Schließlich ist er der ltere, sagt Thorsten Eberding. Doch sein Sohn wollte nicht. Das waren damals kritische Jahre zwischen uns. Aber meine Frau und ich haben keinen Druck gemacht. Also studierte der Sohn Medizin. Dass unsere Tochter dann die Hand gehoben hat, hat uns schon überrascht, gibt Eberding zu. Sie hat gesagt: ,Ich studiere BWL und wäre da.´
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Cyprian Koscielniak / F.A.Z.