Werbeagenturen
Früher rissen sich junge Leute darum, in der Werbung arbeiten zu dürfen. Heute buhlen die Agenturen fieberhaft um Nachwuchs. Der Bedarf an Fachleuten ist groß.
Von Julia Lhr, Cannes

20. Juni 2012 Es wimmelt nur so von Pieps in den kurzen Filmen, mit denen die Werbeagentur Deutsch dieser Tage auf dem internationalen Werbegipfel in Cannes auf die schlechte Stimmung in Agenturen aufmerksam machen will. Der Kundenberater fühlt sich zwischen allen Seiten zerrieben und in seiner Arbeit nicht hinreichend gewürdigt, den Kreativen stören die vielen nderungen an seinen Ideen, und die Produzentin will nicht länger Mädchen für alles sein. Jeder beschwert sich über jeden, ein Schimpfwort folgt aufs andere, alle höflicherweise mit einem Piepton überblendet, und am Ende der 40-Sekunden-Spots steht die ernüchternde Botschaft für alle Agenturchefs: Ein Drittel Ihrer Mitarbeiter wollen in diesem Jahr wechseln. Tun Sie etwas, um das zu verhindern.
Die Agentur Deutsch mit Sitz in Los Angeles ist in der Branche keine Unbekannte. Deutsch entwickelte im vergangenen Jahr für Volkswagen den Werbespot für den Super Bowl, das Endspiel der amerikanischen Football-Liga NFL. In dem Film, den sich allein auf Youtube mehr als 50Millionen Menschen anschauten, testet ein als Darth Vader verkleideter Junge seine Macht über einen VW Passat. Auch in der Personalpolitik macht Agenturchef Mike Sheldon von sich reden. Wer im Vorstellungsgespräch auch nur Anzeichen von Arroganz und Eitelkeiten zeigt, wird Sheldon zufolge nach Hause geschickt. Das Leben sei zu kurz, um es mit Profilneurotikern und Egozentrikern zu verbringen, sagt er. Die Führungskräfte in den Agenturen hätten eine Vorbildfunktion: Gingen sie kollegial und fair miteinander um, färbe das auch auf die Mitarbeiter ab.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: LAIF