Studium generale
Eine umfassende Bildung streben viele Studenten an. Doch nur wenige Hochschulen haben ausgefeilte Angebote für ein Studium generale im Programm. Häufig wissen die Studenten auch zu wenig über ein Studium generale.
Von Caroline Freisfeld

5. Juli 2012 Manche Studenten wollen einfach mehr. Sie sind bildungshungriger, als ihr Kernfach erlaubt, und es bekümmert sie, wenn sie jahrelang nur mit Paragraphen, mathematischen Formeln oder medizinischen Fachbegriffen zu tun haben. Als sie noch zur Schule gingen, haben viele von ihnen Goethes tragischen Helden Faust kennengelernt, den Universalgelehrten, der Philosophie, Juristerei, Medizin und auch noch Theologie studiert hat. Sie haben den Faust gelesen, diskutiert, interpretiert und in Szene gesetzt. Und all das geschah zwischen dem Mathematik- und dem Englischunterricht, vor der Musik- und nach der Biologiestunde. Und jetzt, an der Hochschule, da soll es vorbei sein mit der Vielseitigkeit?
Tatsächlich geht es im Studium um Spezialisierung und nicht zuvorderst um Allgemeinbildung. Einige Hochschulen haben jedoch maßgeschneiderte Zusatzangebote geschaffen, mit denen Studierende ihren Intellekt auf Trab halten können. Das Premiumprogramm in diesem Segment findet man oft in privaten Bildungseinrichtungen, zum Beispiel in der Medizin- und Wirtschafts-Universität Witten/Herdecke, wo schon seit der Gründung 1983 ein Tag in der Woche für das Studium fundamentale reserviert ist. Auch an der zwölf Jahre alten Bucerius Law School in Hamburg ist mittwochnachmittags Studium-generale-Zeit. Die Studenten der privaten Jura-Hochschule besuchen dann Kurse in Philosophie, Geschichte, Politik, Psychologie oder sogar in Physik. Bisweilen kommen am Abend Politiker wie Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière oder bekannte Historiker und Autoren in die Hamburger Jungiusstraße und halten Vorträge. Aber auch die Theatergruppe, das Orchester und die Big Band gehören zum Studium generale.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Peter von Tresckow