Arbeitende Kinder
Zeitung austragen, Rasen mähen, Babys hüten: Hierzulande arbeiten viele Kinder. Weil sie sich etwas leisten wollen. Und weil sie ihre Eltern nicht anbetteln wollen.
Von Gerlinde Unverzagt

15. Juli 2012 Robert zieht den Reißverschluss seiner Trainingsjacke hoch, weil es morgens um halb acht noch ganz schön kühl ist. Dann stöpselt er die Kopfhörer ins Ohr und schiebt mit dem Rollkoffer los, in dem 330 Zeitungen gestapelt sind. 13 Straßen und 316 Briefkästen warten auf ihn. Drei Cent pro Zeitung, ein Cent für Werbung, erklärt er. Sein Einkommen schwankt zwischen 50 und 80 Euro im Monat. Samstags ist mehr drin, weil mehr Werbebeilagen in der Zeitung stecken. Das ist wenig Arbeit für viel Geld, findet der Junge. In der Stadt laufe er doch sowieso herum. Es lohnt sich, samstags ein bisschen früher aufzustehen.
Anfangs hat Robert die Tour nicht unter drei Stunden geschafft, jetzt ist er bei anderthalb. Sein Vater hat ihm dabei geholfen, die Runde auszutüfteln. Das hessische Dorf, in dem Robert die Briefkästen bestückt, hat seine Tücken. Es geht bergauf und bergab, mit Einzel- und Doppelhäusern, manche mit langen Auffahrten, manche mit Kies bestreut, weshalb es mit Inlineskates oder Fahrrad nicht schneller ging. Jetzt macht er die Runde zu Fuß. Ganz schöne Strecke, sagt Robert und macht den Rücken gerade, aber inzwischen habe ich meine Bezirke so gut im Griff wie kein anderer.

Text: F.A.S.
Bildmaterial: ZB