Eckard Wimmer
Der deutsche Forscher Eckard Wimmer kam in Amerika zu Weltruhm. Er hat das erste künstliche Virus geschaffen. Dafür wird er bewundert und verteufelt.
Von Roland Lindner

16. Juli 2012 Du kommst in die Hölle. Als Eckard Wimmer vor zehn Jahren ein anonymer Brief mit diesem Satz ins Haus flatterte, fand er das noch ein Stück weit amüsant - schließlich ist er Atheist. Härter hat ihn schon die Kritik von seinem Kollegen Craig Venter getroffen, der ein paar Jahre vorher mit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms zu Berühmtheit kam. Unverantwortlich nannte Venter die Arbeit von Wimmer - und trat damit eine Rivalität zwischen den beiden Wissenschaftlern los.
Grund für die erhitzten Gemüter war die ebenso bahnbrechende wie umstrittene Forschungsleistung des aus Deutschland stammenden, aber in Amerika arbeitenden Biochemikers. Dem Professor war es zusammen mit seinem Team an der Stony Brook University in der Nähe von New York gelungen, ein Virus künstlich im Labor herzustellen. Das hatte zuvor noch nie jemand geschafft. Es handelte sich um eine Version des Poliovirus, des Erregers der Kinderlähmung. Ein Durchbruch, der brisante Fragen aufwarf: Spielen Forscher jetzt Gott? Was, wenn gefährliche Erreger versehentlich nach außen gelangen? Bekommen Terroristen dann eine Gratisanleitung, Biowaffen zu bauen?
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Kai Nedden / F.A.Z.