Verdacht auf Arbeitszeit-Betrug
Er war Daimler-Betriebsrat und wäre beinahe in den Aufsichtsrat gekommen. Doch dann meldete sich der Werkschutz: Der Mann soll regelmäßig zu früh eingestempelt haben. Jetzt kam der Fall vor Gericht.
Von Susanne Preu, Stuttgart

20. Juli 2012 Es hätte ein zweiter Fall Emmely werden können: die Kündigung jener Kassiererin, die fremde Pfandbons im Wert von 1,30 Euro selbst einlöste, hatte 2010 Wellen geschlagen. Bei Daimler ging es nun um den Vorwurf des Arbeitszeitbetrugs an drei Tagen im vorigen Sommer.
Aufgezeichnet hat der Werkschutz folgendes: Georg-Dieter Bell, freigestellter Betriebsrat, seit 44 Jahren bei dem Stuttgarter Autobauer beschäftigt, hat an den fraglichen Tagen zuerst im Werk Untertürkheim eingestempelt, nutzte die Arbeitszeit dann aber privat: indem er sogleich weiter ins zehn bis 15 Minuten entfernte Werk Mettingen fuhr, um dort seine Frau an ihrem Arbeitsplatz abzusetzen. Daimler glich daraufhin die Stempelkarten des Ehepaars ab und fand über mehrere Jahre auffallend viele Tage, an denen dieses Muster sich wiederholt haben könnte - ein Verdacht nur, aber aus Daimler-Sicht besonders brisant, weil Bell als Nachrücker für den Aufsichtsrat nominiert war. Bell wurde fristlos gekündigt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Röth, Frank