Kolumne
Kuntz hatte schon viele Leute ausgesiebt und eingestellt und mindestens ebenso viele wieder entlassen. Doch die Auswahl seines neuen Stellvertreters bereitete ihm gewisse Schwierigkeiten.
Von Georg M. Oswald

17. August 2012 Kuntz saß vor den Unterlagen, die ihm bei der finalen Auswahl seines Stellvertreters helfen sollten. Kuntz hatte schon viele Leute ausgesiebt und eingestellt und mindestens ebenso viele wieder entlassen, so dass ihm die mit diesen Vorgängen verbundene Brutalität an sich keine Schwierigkeiten mehr bereitete. In diesem Fall lag die Sache jedoch etwas komplizierter, denn sie betraf, zumindest mittelbar, den sensibelsten Lebensbereich, den Kuntz kannte: seine eigene berufliche Position. Sie durfte niemals in Gefahr geraten, das war Top-Prio Nummero uno.
A-people hire B-people. B-people hire C-people. So lautete der passende Spruch zu dieser Erkenntnis, den ihm einmal ein in derartigen Dingen erfahrener Manager mit auf den Weg gegeben hatte. Kuntz fand sie ein bisschen banal. Selbstverständlich konnte niemand Interesse daran haben, sich zusätzliche Konkurrenz ins Haus zu holen. Also suchte man sich jemand, den man sicher im Griff behielt. Doch ganz so einfach war die Sache nicht. Suchte sich jemand einen Stellvertreter, der um Längen hinter ihm selbst zurückblieb, konnte das mehr als erwünscht vom geringen Selbstbewusstsein des Vertretenen erzählen. Es konnte auch heißen, dass sich nur Pflaumen für den Job beworben hatten und eine ansprechendere Besetzung der Stelle deshalb nicht möglich war. Ein gewisses Risiko musste man also eingehen, und vielleicht musste man den Spruch abändern: A-people hire A-people. B-people hire B-people. (C-people don´t hire anyone.)
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Cyprian Koscielniak