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Aufsichtsräte

Frauen bleiben rar

29.08.2012


Der Frauenanteil in den Kontrollgremien deutscher Unternehmen steigt nur langsam. Viele Männer haben dagegen gleich mehrere Mandate inne.

Von Julia Lhr



29. August 2012 Aktionärsschützer stellen sich darauf ein, dass deutsche Unternehmen in absehbarer Zeit entweder aus Berlin oder aus Brüssel eine Frauenquote für Aufsichtsräte verordnet bekommen. „Eine verbindliche Quotenregelung wird wohl kommen“, sagte die stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jella Benner-Heinacher, anlässlich der Vorstellung einer neuen Studie zu dem Thema.

Als wahrscheinlichen Zeitpunkt nannte sie das Jahr 2017. Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 30 Dax-Unternehmen ist zwar seit dem Jahr 2006 von 11,7 auf nun 19,4 Prozent gestiegen, wie die Studie der DSW ergab. Er liegt aber immer noch weit hinter den Wunschvorstellungen der Politik von 30 bis 40 Prozent zurück.

In diesem Bereich bewegen sich unter den Dax-Konzernen nach Angaben der DSW nur Deutsche Bank, Henkel, Allianz, Beiersdorf, Commerzbank und Deutsche Post. In manchen Unternehmen wie Fresenius und Fresenius Medical Care sind hingegen überhaupt keine Frauen in den Kontrollgremien vertreten.

Superwahljahr 2013

Mit Blick auf das „Superwahljahr 2013“, in dem 86 Kontrolleure der Anteilseignerseite - das entspricht einem Drittel aller Kapitalvertreter - neu gewählt werden, sprach die Schutzvereinigung von einem Lackmustest. „2013 ist die letzte Chance, den Frauenanteil nachhaltig zu verbessern“, sagte Benner-Heinacher. Bislang sind Frauen wie Renate Köcher, die drei Kontrollmandate in Dax-Konzernen ausübt, die Ausnahme in der deutschen Wirtschaft.

Unter den Männern sticht vor allem Manfred Schneider heraus, den die DSW aufgrund der Vielzahl seiner Mandate wie schon in den vergangenen Jahren als mächtigsten Aufsichtsrat Deutschlands bezeichnet. Mit Bayer, Linde und RWE hat Schneider in gleich drei Dax-Konzernen den Aufsichtsratsvorsitz inne. Ebenfalls an vielen Fronten im Einsatz ist Paul Achleitner, der neben dem Aufsichtsratsvorsitz in der Deutschen Bank Mandate für Bayer, Daimler und RWE ausübt.

Die Gehaltsliste führt dagegen ein anderer an: Ferdinand Piëch erhielt der DSW zufolge im vergangenen Jahr für seine Arbeit bei Volkswagen und MAN mehr als 1 Million Euro, in der gleichen Größenordnung bewegte sich Gerhard Cromme (Thyssen, Siemens und Allianz). Kritisch sehen die Aktionärsschützer die Ämterhäufung nicht. „Die Deutschland AG befindet sich in Auflösung, das sind die Reste davon“, sagte Benner-Heinacher.

300.000 Euro für den Vorsitz

Im Schnitt erhielten die Aufsichtsratschefs der Dax-Konzerne im vergangenen Jahr 298.000 Euro, einfache Mitglieder 98.000 Euro. Dies hält die DSW angesichts der gewachsenen Anforderungen tendenziell eher für zu wenig als zu viel, obgleich die Vergütung im Vergleich zum Vorjahr um 7,6 Prozent stieg. Die Aktionärsschützer kritisierten jedoch, dass noch immer zu viele Unternehmen ihren Aufsichtsräten Boni zahlten, die von der Dividende abhingen. Auf diese Weise könne ein Aufsichtsrat die Höhe seine Bezahlung selbst beeinflussen. Lob gab es für jene Unternehmen, die das Vergütungsmodell auf ein reines Festgehalt umgestellt haben, darunter Siemens.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dapd