Auslandssemester in Südeuropa
Nicht nur Sonne und Strand: Austauschstudenten begegnen im Süden Europas auch Krisenstimmung, Wut und Frustration. Dennoch gehen sie weiter gerne dorthin - und machen wichtige Erfahrungen.
Von Sarah Sommer und Laura Noller

2. Oktober 2012 An diesem einen Tag hatte sie einfach nicht nachgedacht. War aus dem Haus gegangen, hatte sich in die U-Bahn gesetzt, um Kommilitonen zu treffen. Einfach so, ohne vorher zu prüfen, ob irgendwo ein Streik oder eine Demonstration die Stadt lahmlegte. Schon in der U-Bahn-Station merkte sie, dass etwas nicht stimmte. Ihre Augen brannten. Tränengas. Schnell an die frische Luft. Plötzlich überall Lärm. Hunderte Menschen laufen in der Mittagshitze durcheinander, tragen Verletzte über den Syntagma-Platz in Athen. Da habe ich mich schnell wieder in die Bahn gesetzt und bin weitergefahren, sagt Cornelia Schäffer, Jurastudentin aus Heidelberg.
Die 22-Jährige verbrachte das fünfte und sechste Semester ihres Studiums in Athen - und steckte plötzlich mitten in der Euro-Krise. Ich wollte für ein Jahr ins Ausland, gerne in den Süden. Da ich in der Schule Altgriechisch gelernt hatte und das Land einfach schon immer spannend fand, wurde es dann Griechenland, erklärt sie. Dass sich in dem hochverschuldeten Land gerade die Krise zuspitzte, spielte für sie keine große Rolle. Natürlich habe ich mir vor meiner Abreise Gedanken gemacht, ob es in Athen sicher ist, sagt sie. Nicht zuletzt um ihre Eltern zu beruhigen, informierte sie sich beim Auswärtigen Amt. Als die Fachleute Entwarnung gaben, setzte sie sich in das Flugzeug nach Athen. Ich dachte, es würde doch interessant sein, die Krise von nahem zu erleben.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Peter von Tresckow