Berufsstart
Endlich ein Vertrag, endlich in den Beruf starten. Das heißt aber auch: acht Stunden am Tag arbeiten und kurze Ferien. Der Berufsbeginn ist eine Umstellung.
Von Ursula Kals

18. Dezember 2012 Die Universität bescherte Freiheit. Ein Montagmorgen ohne Minnesang und Neidhart-Lieder war immer drin, gelegentlich schwänzte ich das Seminar. Für eine Krankmeldung interessierte sich eh keiner. Das war im Zeitungsvolontariat schlagartig anders: Schluss mit Schwänzen, der vielzitierte Ernst des Lebens hatte begonnen. Plötzlich strangulierte eine überschaubare Zahl Urlaubstage das Jahr. Als junge Volontärin reagierte ich darauf unsouverän, aber irgendwie auch menschlich: Ich hortete Urlaubstage bis zum Jahresende und schob das gute Gefühl vor mir her, beim (nie eintreffenden) Redaktionskoller einfach einen Monat abdüsen zu können. Was mir prompt Zwangsurlaub im nebelgrauen November bescherte. Jedenfalls war der Start in den Traumberuf toll, aber auch ambivalent: Statt Zeilenhonorar lockte ein Gehaltszettel, aber der Tag war fortan fest verplant, Sonntagsdienste vereitelten spontane Verabredungen.
Der Eintritt in den Beruf beschert einen großen Schub, erwachsen zu werden, sagt die Potsdamer Wirtschaftspsychologin Corina Hausmann. Jetzt gelten Rahmenbedingungen wie bei Erwachsenen bis hin zur Tatsache, selbst Miete zu zahlen. Seien in der Schule noch viele Spielräume möglich, geht das im Beruf nur bedingt, sagt der Hamburger Psychologe Andreas Hermanns.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Cyprian Koscielniak