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Karriere als Kanzleipartner

„Ihr müsst auffallen!“

21.12.2012


Junge Anwälte, die Partner werden wollen, beißen in großen Wirtschaftskanzleien oft auf Granit. Daniela Weber-Rey, Stephan Spehl und Jörg Risse haben es geschafft. Die drei erfolgreichen Partner erzählen, wie es geht. Ein Leitfaden zum Karrieremachen - auch in anderen Berufen.



21. Dezember 2012 Herr Spehl, heute habe ich Ihren Rat im Buch „Partner werden in der Anwaltskanzlei“ beherzigt und Weintrauben in mein Büro gestellt. Was soll das bringen?

Spehl: Traffic soll das bringen. Traffic in Ihrem Büro.

Und damit werde ich Partner?

Spehl: Sie müssen natürlich die Balance wahren zwischen demjenigen, der mit seinem Feldbett in seinem Büro wohnt und dem ,Social Animal´. Aber es ist jedenfalls ein wichtiges Kriterium, dass man Sie kennt.

Weber-Rey: Während der Fusion von Clifford Chance und Pünder vor zwölf Jahren sagte unser Berater David Master einem frustrierten jungen Kollegen mal: ,Sie haben das alles selbst in der Hand. Wenn Sie mit einem Partner zusammenarbeiten wollen, dann bringen Sie ihm einen Kaffee und reden Sie mit ihm.´ Recht hat er! Die Associates müssen sich Wege zur Kommunikation mit den Partnern schaffen.

Den Associates wird geraten, mit den Kollegen Mittagessen zu gehen, bei der Weihnachtsfeier dabei zu sein, Selbstvermarktungsbücher zu lesen und ein eigenes Buch zu schreiben. Wann sollen Anwälte eigentlich noch arbeiten?

Weber-Rey: Ich habe in meinem ganzen Leben noch kein einziges Marketing-Buch gelesen und habe das auch nicht vor. Ich habe einfach nicht die Zeit dazu. Außerdem glaube ich, dass in unserem Beruf Authentizität absolut entscheidend ist.

Herr Risse, aber Sie sagen, als Anwalt muss man Verpackungskünstler sein.

Risse: Die Anwälte, die zu uns in die Kanzlei kommen, sind juristisch alle exzellent. Das ist kein Unterscheidungsmerkmal, damit gewinnen Sie keinen Blumentopf. Erfolgreich machen Sie soziale Kompetenzen: Sie müssen sich vernetzen können, und Sie müssen den richtigen anwaltlichen Rat auch richtig verpacken. Und daran mangelt es den jungen Kollegen stark. Sie können vor Gericht dem Richter zehn Argumente auf einmal vortragen, doch das ist schlecht. Warum? Wenn man bei Argument 10 angekommen ist, hat er Argument 1, 2 oder 3 vergessen. Was ist der Eindruck des Richters? Ist dieser Fall kompliziert! Das wollen Sie aber nicht. Sie wollen, dass er drei Argumente hört und sagt: Sie haben recht.

Was machen Sie denn mit Kollegen, die die Leistung nicht bringen? Suchen Sie das klärende Gespräch?

Weber-Rey: Unbedingt. Rückmeldungen zur Leistung sind genauso essentiell wie zu manchen banalen Dingen: die Knoblauch-Wolke im Büro zum Beispiel. Das kann ein Karrierehindernis sein. Oder wenn sich jemand unangemessen anzieht.

Wie gehen Sie da vor?

Spehl: Ich persönlich sehe die übliche Muttertagsbewertung skeptisch. Das ganze Jahr über lässt man den Associate in Ruhe, aber einmal im Jahr kriegt er eine Rundumbewertung. Ich bin ein Anhänger des täglichen Feedbacks. Dann ist die Hemmschwelle gar nicht erst da. Immer sofort beim Kaffee oder beim Mittagessen.

Risse: Manchmal kann man auch über Eck spielen. Wenn mir das selbst zu peinlich ist, spreche ich einen anderen Associate an mit der Bitte, weiterzugeben, dass die Schuhe nicht geputzt sind und beim Meeting nicht aus der Flasche getrunken werden soll.

Weber-Rey: Das fordern die ja auch ein. Die jungen Leute heute haben wesentlich höhere Anforderungen an uns als wir damals an unsere Partner. Sie wollen ständig begleitet werden und Feedback hören. Sie sind sich ihres Karrierewegs auch sehr viel sicherer als damals - und wissen auch ganz genau, welchen Karriereweg sie nicht wollen.

Spehl: Bei uns damals war es allerdings auch noch wesentlich einfacher, Partner zu werden. Und heute ist es auch weniger attraktiv, denn das Leitmotiv hat sich geändert. Wo ist man denn heute noch Partner bei 500 Entscheidungsträgern? Ein richtiger Unternehmer ist doch derjenige, der nachts schlaflos im Bett liegt, weil die Bürgschaft gezogen wird.

Herr Spehl, ich war erschüttert zu lesen, dass selbst die Abiturnote noch zählt.

Spehl: Unter Umständen. Ich habe das ja mit einer gewissen Ironie geschrieben, verbunden mit der Frage: Verjährt das denn nie? Bei uns im Evaluierungskommittee heißt schon der einleitende Satz: Das ist ein hervorragender Jurist, was man auch schon damals gesehen hat, als er sein Abitur gemacht hat.

Und Examensnoten?

Spehl: Die sind natürlich das goldene Kalb, nach wie vor.

Weber-Rey: Ich würde das ein wenig relativieren. Wenn Sie einen wirklich überzeugenden persönlichen Eindruck von einem Kandidaten haben, vielleicht weil Sie ihn schon kennen, dann bekommt er bei uns die Chance, auch wenn er nur ANTWORT: ein und nicht zwei Examen mit Prädikat hat. Würde das dann einer Partnerwerdung im Wege stehen? Bei uns nicht notwendig.

Risse: Aber das sind Ausnahmefälle. Die Regel ist: Wir schauen auf die Examensnoten bei der Einstellung. Und warum? Weil die Treffergenauigkeit in Bezug auf die juristischen Fähigkeiten frappierend hoch sind. Leute mit zwei zweistelligen Noten sind gute Juristen. Jemand, der diese guten Noten nicht hat, ist meist auch kein guter Jurist.

Gute Noten also. Und was noch?

Risse: Wenn Sie ein richtig guter Jurist werden wollen, reicht das juristische Wissen nicht aus. Sie müssen denken können, einfach nur denken. Und auch mal querdenken. Sie müssen ein Interesse für Kunst haben. Das interessiert vielleicht nicht unmittelbar, aber es macht Sie zu einer Persönlichkeit. Bei aller Konzernhaftigkeit internationaler Wirtschaftskanzleien: Das hier ist immer noch ein Peoples Business.