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Kolumne „Expat“

Mittags ein Mistkratzerli

30.12.2012


Die Schweizer schätzen ihren Dialekt. Sie freuen sich, wenn Ausländer ihnen nicht den Wechsel ins Hochdeutsche zumuten. Aus Wörterbüchern können Expats erfahren, dass Frühstück „Zmorge” heißt und „Mistkratzerli” Hähnchen sind.

Von Jrgen Dunsch



30. Dezember 2012 Die knapp vierjährige Leandra zeigt hohe Flexibilität. Sie redet Schweizerdeutsch in zwei regionalen Varianten. Sie kann Hochdeutsch von ihren Märchen auf CDs und ihren deutschen Spielkameraden aus der Kita. Vereinzelt mischt sich sogar ein englischer Ausdruck in die Sätze. Wer wie viele und welche Sprachen beherrscht, ist immer wieder ein Thema in der Schweiz. Das kann nicht verwundern. Das kleine Land kennt drei Hauptsprachen, nämlich Deutsch, Französisch und Italienisch. Daneben existiert als vierte Landessprache im Engadin und in einigen anderen Teilen Graubündens Rätoromanisch in zwei Hauptsträngen, das zusätzlich in eine - allerdings ungeliebte - Allgemeinvariante namens „Rumantsch Grischun“ gegossen wurde. Die Schweiz ist nicht nur geographisch, sondern auch sprachlich voller Entdeckungen. Während in Zürich neben „Schwyzerdütsch“ vielfach Hochdeutsch zu hören ist, machen sich in Bern französische Einflüsse stärker bemerkbar. Die Sprachgrenze ist ja nicht weit.

Dessen ungeachtet wird in der Schweiz derzeit engagiert debattiert, wie viele Fremdsprachen in der Grundschule unterrichtet werden sollen, die hier Primarschule heißt und maximal sechs Jahre dauert. Die „Interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule“, der 15 der 26 Kantone beigetreten sind, macht folgende Vorgaben: Bis 2015 muss spätestens vom dritten Schuljahr an eine erste und vom fünften Schuljahr an eine zweite Fremdsprache gelehrt werden. Im Fächerkanon steht dabei meist Englisch, aber das Tessin darf stattdessen das Erlernen einer weiteren Landessprache verlangen. Das vereinzelte Grummeln darüber wurde zur Kontroverse, als Beat Zemp, der Präsident des Dachverbandes Schweizer Lehrer, aufmuckte. Viele Primarschüler seien mit zwei Fremdsprachen überfordert, befand Zemp kurz und bündig. Wer im Grundlagenfach Mathematik glänze, sei noch nicht automatisch ein Ass in Fremdsprachen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Wonge Bergmann

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