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Unsere Unwortliste

Das wollen wir 2013 nicht mehr hören

27.12.2012


Viele Themen aus dem Nachrichtenalltag entpuppen sich als Eintagsfliegen. Andere haben das Zeug zum Dauerbrenner - und nerven irgendwann gewaltig. Die Redaktion von Beruf und Chance stellt ihre Unwortliste vor. Und auf was können Sie im kommenden Jahr verzichten?

Von Sven Astheimer, Lisa Becker, Nadine Bs, Corinna Budras, Ursula Kals und Julia Lhr



27. Dezember 2012

Burnout

Der moderne Büromensch hat - ja, auch Rücken, aber da zwickt es schon länger. Relativ neu, zumindest als Massenphänomen, ist dagegen der Burnout. Man ist einfach ausgebrannt. Die Zahl der Betroffenen, die sich zu Wort melden, steigt täglich.

Und weil die hochgerechneten Burnout-Kosten für die Volkswirtschaft schwindelerregende Höhen erreichen, floriert bereits die Burnout-Industrie: Seminaranbieter, die Inhalte alter Präventionskurse nun mit neuem Label erfolgreich an die verunsicherten Belegschaften bringen. Dabei ist die vermeintliche Volkskrankheit offiziell nur ein Syndrom. Wenn Menschen krank sind, körperlich wie psychisch, muss ihnen geholfen werden. Keine Frage. Aber dass kein anerkanntes Krankheitsbild für Burnout existiert, spricht allein schon Bände. Selbst offizielle Stellen tun sich mit einer Definition schwer.

In der gängigen Diskussion unter Laien wird deshalb vieles vermischt: Stressaufkommen und Drogenkonsum, permanente Erreichbarkeit durch Mobilfunktechnologie und steigende Arbeitsbelastung, unklare Zielvereinbarungen und mieses Betriebsklima. Allesamt ernstzunehmende Entwicklungen, mit deren Folgen sich Führungskräfte und Personalmanager ebenso auseinandersetzen müssen wie Beschäftigte, Betriebsräte und Arbeitswissenschaftler. Aber bitte, bitte nicht immer reflexartig unter dem Schlagwort Burnout. Und wenn man schon dabei ist, böte es sich an, bei der Gelegenheit auch gleich den faulen Zwillingsbruder Boreout auszumustern, der angeblich zu Tode gelangweilte, weil chronisch unterforderte Mitarbeiter bezeichnet. Dafür im Voraus ein entspanntes: Danke!

(svs.)

Migrationshintergrund

Zugegeben, ich habe dieses Wort auch schon in Texten benutzt - aber mit einem schlechten Gewissen. Das hat stilistische Gründe: Migrationshintergrund ist ein Wortungetüm, an Hässlichkeit kaum zu überbieten, für jeden Menschen mit Sprachempfinden eine Zumutung. Und doch ist es Teil des alltäglichen Sprachgebrauchs geworden.

Hinzu kommen inhaltliche Gründe: Der Begriff stammt aus der Bürokratie. So definiert das Statistische Bundesamt, Menschen mit Migrationshintergrund seien alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem nach 1949 zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil. Nun die Preisfrage: Hat die in Deutschland lebende Gymnasiastin, deren Mutter aus Amerika stammt und deren deutscher Vater als Arzt arbeitet, einen Migrationshintergrund? Nach der Definition schon, allerdings würde ihr im allgemeinen Sprachgebrauch kaum jemand dieses Etikett anhaften. Dem türkischstämmigen Hauptschüler, dessen Eltern in Deutschland geboren sind und dessen Großeltern aus Anatolien stammen, aber schon.

Und das ist das Problem: Migrationshintergrund kommt wie ein nüchterner Bürokratenbegriff daher, er transportiert aber unterschwellig Vorurteile. Also, in Zukunft Migrationshintergrund vermeiden und genau formulieren, welche Gruppe von Menschen gemeint ist.

(lib.)

Studentenberg

Weil die deutschen Hochschulen auch 2012 wieder hohe Studienanfängerzahlen zu vermelden hatten, war in der Berichterstattung vielfach vom „Studentenberg“ zu lesen. „Der Studentenberg bleibt hoch“ - so oder so ähnlich lautete die beliebte Schlagzeile. Diese armen Studenten! Nicht nur, dass man ihre Leiber zu einem Berg aus menschlichen Körpern stapelt. Nein, dieser Berg ist auch noch hoch! Was sollen diejenigen sagen, die ganz unten liegen? Wie das Gewicht ihrer Kommilitonen schultern?

„Den Studentenberg als Chance, nicht als Problem begreifen“, schlug im Jahresverlauf so mancher einschlägige Experte vor. Vielleicht geht es ja auch gar nicht um einen Berg aus Studenten? Womöglich handelt es sich um einen Berg für Studenten? Einen Viertausender, den man nur als angehender Akademiker erklimmen darf, nicht aber als Schüler, Lehrling oder Handwerksmeister. Diese Sichtweise hätte immerhin etwas für sich: Auf dem Gipfel ist man mal für sich und kann in Ruhe über Goethe oder die Relativitätstheorie debattieren. Oder eine Studentenparty feiern.

Die wahre Definition des Begriffs „Studentenberg“ bietet ein Eintrag im Online-Lexikon Wikipedia: „Die mathematische Kurvenform von Prognosen über Studierendenzahlen, welche Ähnlichkeit mit einem Berg hat.“ Ach so! Das mit der Kurvenform stimmt aber wohl auch nicht immer. Mittlerweile glauben Statistiker, dass die Studierendenzahlen auch in den nächsten Jahren nicht stark abnehmen werden. So kennen wir nun auch das Unwort für 2013: Studentenplateau.

(nab.)

Zickenkrieg

Neulich im gesetzten Kreis einer juristischen Fachtagung - es ging um die Frauenquote - redete ein Europa-Politiker über den „Zickenkrieg“ in Berlin, der in Brüssel niemanden interessiere. Gemeint war wohl die sachliche Auseinandersetzung zweier gestandener Ministerinnen über ein umstrittenes Thema, doch die Details entziehen sich meiner Kenntnis.

Denn kaum hatte er das Wort ausgesprochen, kam ich ins Grübeln: Mit welchem Fachterminus werden Meinungsverschiedenheiten männlicher Kollegen diffamiert? „Bullengefecht“ schien zwar passend, aber nicht sehr geläufig, der Begriff „Hahnenkampf“ im Vergleich fast schon eine Auszeichnung. Eine ebenbürtige Verhohnepipelung wollte mir nicht in den Sinn kommen, und das frustrierte mich; die vergebliche Suche kostete mich den Rest des Vortrags, ich gelobte Besserung.