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Kolumne

Einer von ihnen

10.01.2013


In der Gleichstellungsstelle war Guck der einzige männliche Mitarbeiter. Somit gehörte er zur Risikogruppe und achtete besonders peinlich darauf, die Dos and Don´ts einzuhalten.

Von Georg M. Oswald



4. Januar 2013 Guck war der einzige männliche Mitarbeiter in der Gleichstellungsstelle. Da er keine leitenden Befugnisse innehatte, sondern vor allem in dienenden Funktionen tätig war, hatte er eine scharfe Beobachtungsgabe entwickelt. Außerdem hatte er es sich so gut wie ganz abgewöhnt, urteilend zu sprechen, und er war bestens orientiert über all die Dos and Don´ts für einen respektvollen, gleichberechtigten Umgang unterschiedlicher Individuen entsprechend ihren Fähigkeiten, Bedürfnissen und Wünschen. Er wusste, dass seine ihm vorgesetzten Frauen ihn aufmerksam beobachteten, denn als Mann zählte er ja bekanntlich schon aufgrund seiner biologischen Disposition zu einer Risikogruppe. Dafür konnte er nichts, weshalb etwaiges Fehlverhalten seinerseits durch einen kleinen Hinweis stets leicht zu korrigieren war.

Umgekehrt war Gucks Sensorium für Verstöße gegen die Gleichbehandlungs- und Gleichstellungspflicht nach einigen Jahren in diesem beruflichen Umfeld derart austrainiert, dass er auch geringste Unkorrektheiten in gleichstellungstechnischer Hinsicht sofort bemerkte und auf sie hinwies. Dennoch behielten seine Vorgesetzten für ihn Vorbildfunktion, und er lauschte aufmerksam ihren Gesprächen und Kommentaren und beobachtete ihr Verhalten, um irgendwann vielleicht ihren Grad an Perfektion zu erreichen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Cyprian Koscielniak

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