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Nachhaltigkeit an Hochschulen

Deutschlands Unis ergrünen

04.02.2013


Bioessen in der Mensa, CO2-neutrale Hörsäle und Dienstfahrräder für Professoren: Die Liebe zur „Nachhaltigkeit” ist nun auch an den deutschen Hochschulen angekommen.

Von Deborah Caspers und Sarah Sommer



17. Januar 2013 Wir fahren nicht schneller als 130 km/h - unserer Umwelt zu Liebe!, steht auf Aufklebern an der Heckscheibe sämtlicher Dienstautos der Universität Greifswald. Die bleiben allerdings ohnehin meist auf dem Hochschulparkplatz stehen, denn die Angestellten fahren mit Dienstfahrrädern über den Campus, und Professoren legen ihre Dienstreisen neuerdings mit eigens angeschafften Erdgasfahrzeugen zurück. Studenten, Professoren und Verwaltungsmitarbeiter der Ernst-Moritz-Arndt-Universität haben sich schließlich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Im Jahr 2015 soll ihre Hochschule die erste CO2-neutrale Universität sein.

Was sich in den vergangenen Jahren Kommunen in ganze Europa vorgenommen haben, erreicht nun die Universitäten. Sie streben die CO2-Neutralität an. Damit surfen sie auf einer Trendwelle. Vielleicht in der Hoffnung auf Aufmerksamkeit: Denn gerade kleine und private Hochschulen abseits der Großstädte müssen sich einiges einfallen lassen, wenn sie sich im Kampf um die besten Köpfe gegen renommierte Universitäten durchsetzen wollen.

Geschickt vermarktetes Umweltengagement

Ihr grünes Profil schärfen sie zum Beispiel durch die Kreation außergewöhnlicher Studienangebote wie Bioenergie oder Nachhaltigkeitsgeographie. Oder eben durch geschickt vermarktetes Umweltengagement. Denn das Trendthema Nachhaltigkeit kommt bei den Studenten gut an. Viele Hochschulen haben grüne Themen als Marketinginstrument entdeckt, sagt Joachim Müller vom Hochschulforschungsinstitut HIS. Seit einigen Jahren laufen immer mehr Umweltprojekte an - damit wollen sich Hochschulen von der Masse absetzen. Womöglich auch in der Hoffnung, wenig glanzvollen akademischen Profilen einen grünen Glanzpunkt entgegenzustellen.

Längst fehlt auf kaum einer Hochschul-Website der Hinweis auf diverse Nachhaltigkeitsziele. Wer mit grünem Engagement aus der Masse herausstechen will, braucht also mehr als nur ein Ökostrom-Zertifikat des örtlichen Energieversorgers. Die Universität Hohenheim etwa hat sich dem grünen Trend-Thema voll und ganz verschrieben und umwirbt umweltbewusste Studenten mit Bio-Salat aus dem Universitätsgarten und einer eigenen Forschungs-Biogasanlage. Die Leuphana Universität Lüneburg lässt sich derweil von Star-Architekt Daniel Liebeskind ein futuristisch anmutendes Null-Emissions-Gebäude bauen und will Autos vom Campus verbannen.

Die Greifswalder Universität hat im Wettbewerb um den grünsten Campus derweil einen Wettbewerbsvorteil: Sie ist die Hochschule mit dem größten Landbesitz Deutschlands und liegt direkt an der Ostsee - beste Voraussetzungen für den Bau eigener Solar- und Windenergieparks, die den Campus mit Strom versorgen. Monique Wölk, die dort das Projekt CO2-neutrale Universität leitet, gibt sich überzeugt, dass sich solche Großprojekte langfristig für die Hochschule auszahlen, und zwar nicht nur durch niedrigere Energiekosten.

Zwar stehe für die Studenten bei der Entscheidung für eine Universität das Studienangebot an erster Stelle. Wenn aber die Auswahl zwischen zwei oder drei Universitäten getroffen werden muss, können Umweltaspekte den Ausschlag geben. Das öffentlichkeitswirksame Etikett erste CO2-freie deutsche Universität könnte den Greifswaldern einen Vorteil verschaffen. Denn während es für die fachlichen Leistungen der Universitäten in Forschung und Lehre zahlreiche Rankings gibt, die Studenten bei der Suche nach der passenden Hochschule Orientierung bieten, sind objektive Auskünfte über das Umweltengagement der Hochschulen Mangelware. Wer an einer besonders grünen Hochschule studieren will, muss sich auf die Marketing-Botschaften der Universitäten verlassen. Fünf Studenten der Hochschule München wollen das ändern: Seit 2009 erstellen sie mit Unterstützung der Internetplattform Utopia ein grünes Hochschulranking, bei dem Studenten darüber abstimmen können, welche deutsche Hochschule die klimafreundlichste ist.

Die Projekte sind nur schwer vergleichbar

Im jüngsten Ranking 2012 gewann der Umwelt-Campus Birkenfeld der Fachhochschule Trier den Titel. Allerdings stimmte bei dem Ranking nur ein Bruchteil der deutschen Studenten ab, und längst nicht alle Hochschulen wurden erfasst.

HIS-Hochschulforscher Müller ist deshalb skeptisch, wie aussagekräftig solche Umfragen sein können. Die Umweltschutzprojekte der Hochschulen seien kaum vergleichbar. Der Forscher weiß, wovon er redet: Das HIS hat im Auftrag der hessischen Landesregierung bereits zwei Mal CO2-Bilanzen für sämtliche hessischen Hochschulen erstellt. Ein aufwendiges Projekt, erklärt Müller. Denn für eine aussagekräftige Klimaschutzbilanz müssen viele Faktoren berücksichtigt werden, vom Dienstflug des Professors zur Konferenz in Übersee bis zum Mittagessen in der Kantine.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa