Im Gespräch: Liselotte Hjorth, Vorstandsmitglied der SEB AG, zu Aufstiegschancen für Frauen in deutschen Unternehmen und guten Chefs
Die Stadt Frankfurt hat den ersten Business Women's Day organisiert und
erfolgreiche Frauen als Vorbilder präsentiert, darunter Liselotte Hjorth,
einzige Frau im Vorstand der SEB AG.
Sie sind seit acht Jahren im Vorstand der SEB AG in Frankfurt. Mögen Sie über
das Thema Frauen in Führungspositionen überhaupt noch sprechen?
Ich bin seit 1985 im Konzern, seitdem beschäftigen wir uns schon mit dem Thema.
Doch man kommt nicht so schnell voran, wie man sich das wünscht. Aber es ist
eine sehr wichtige Frage. Es liegt mir sehr am Herzen, dass auch Frauen in den
Unternehmen größere Chancen bekommen, damit wir uns besser entwickeln und
vorankommen können. Aber es stellt sich natürlich die Frage, warum es so langsam
vorangeht.
Es geht also auch in Schweden nur langsam voran?
Es passiert viel auf den unteren Ebenen, die meisten Männer nehmen
Elternteilzeit. Frauen entwickeln sich auf den unteren Ebenen. Aber bis in die
Top-Positionen kommen trotzdem nur sehr wenigen Frauen. Auch in Schweden.
Frankfurt hat in dieser Woche den ersten Frankfurter Business Women's Day
veranstaltet. Braucht man so etwas?
Man muss über diese Fragen sehr viel reden, um voranzukommen, um neue Strukturen
zu finden, die Frauen unterstützen. Aber es geht auch um Männer. Wir müssen eine
moderne Unternehmenskultur entwickeln, eine, die zu Familien passt. Denn als
Unternehmen wollen wir natürlich die Besten haben, gleichgültig ob Mann oder
Frau.
Der Business Women's Day soll Frauen Mut zur Karriere machen. Dazu wurden
erfolgreiche Frauen eingeladen. Sie waren eine davon. Wie zielstrebig sind Sie
in das Berufsleben eingestiegen?
Das ist schrittweise gekommen. Ich wollte immer ins Management. Mein Vater war
Unternehmer. Ich habe dann an der Universität internationales
Business-Management studiert. In Unternehmen, in denen ich war, habe ich immer
mehr und neue Herausforderungen bekommen. Das hat mir Spaß gemacht. Allerdings
muss ich dazu sagen, dass wir in Schweden eine andere Kultur haben. Es gibt
keine "Rabenmütter". Es ist umgekehrt. Wenn man nur Hausfrau ist, wird man
schief angesehen. Es ist für uns Schwedinnen selbstverständlich, wirtschaftlich
unabhängig zu sein, auch mit Kindern. Ich beispielsweise habe drei. In
Deutschland ist es allein aufgrund der mangelnden Wertschätzung der
Berufstätigkeit der Frau schwieriger, Karriere zu machen.
Sind Sie in Ihrem Unternehmen gefördert worden?
Das ist ein wichtiger Punkt: Man muss zusehen, dass man gefördert wird.
Wer hat Sie gefördert? Männer?
Meine Chefs haben mich gefördert, Männer. Wenn der Chef nicht gut war, habe ich
gewechselt. Aber ich habe sehr gute Chefs gehabt. Das ist wichtig.
Die haben Sie gefördert, weil Sie eine Frau sind?
Die haben mich gefördert, weil sie dachten, ich sei ein junges Talent, und weil
sie sich für das Unternehmen Vorteile versprochen haben. Ich bin sehr dankbar,
dass ich Chefs hatte, die gesehen haben, wo ich Schwächen hatte und die mich
gezielt weiterentwickelt und ausgebildet haben. Die haben mir wirklich geholfen,
sie haben natürlich auch das Potential gesehen.
Sie raten zum Jobwechsel, wenn man als Frau merkt, man wird nicht gefördert?
Absolut. Man muss wechseln, wenn man merkt, dass es nicht passt. Man braucht
Herausforderungen, um sich zu entwickeln.
Sind Förderprogramme notwendig?
Man muss dafür sorgen, dass mehr Frauen weiterkommen. Ich habe das in
verschiedenen Abteilungen der Bank erlebt, dass ein Punkt kommt, und dann stoppt
es, dann verschwinden alle guten Frauen. Ohne Programme wird das immer
passieren. Aber auch die Unternehmen müssen die Vorteile erkennen, Frauen in
Führungspositionen zu haben.
Welche Vorteil hat man denn, wenn man Frauen in Führungspositionen bringt?
Frauen haben andere Kompetenzen, sie machen Dinge anders als Männer, denken
anders. Es ist generell wichtig für ein Unternehmen, nicht auf Meinungsvielfalt
zu verzichten. Ansonsten herrschen stereotype Muster vor.
Warum kommen so wenige Frauen bis ganz nach oben, wo sind die Hürden?
Am Anfang, zum Berufseinstieg gibt es viele Frauen. Sie kommen auch schnell
voran, aber dann irgendwann geht es nicht weiter. In Deutschland ist es häufig,
dass die Frauen Familien und Beruf nicht vereinbart bekommen, oder sie haben
zumindest immer ein schlechtes Gewissen. Und auch das Männerbild ist so, dass es
Frauen wenig Raum lässt.
Also eine Hürde ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ist das alles?
Die Strukturen in den meisten Organisationen sind von Männern für Männer
gemacht. Ich denke, Frauen mit Familie wollen flexibler sein, flexiblere
Arbeitszeiten haben, vielleicht Home-Office machen. In Schweden stellten
Unternehmen eine Zeitlang als Vergünstigung für Mitarbeiter nicht nur
Dienstwagen zur Verfügung, sondern, wenn man wollte, gab es Putzhilfen. Das war
ein schönes Gefühl. Doch zurück zur Karriere: Je höher Frauen kommen, desto
schwieriger wird es für die Frauen. Für sich selbst, mit der Familie und auch im
Unternehmen. Das Bild, wie soll eine Führungskraft aussehen, auch das ist sehr
von Männern definiert.
In Deutschland gibt es die Diskussion, die Frauen wollten gar nicht aufsteigen.