Die Absatzzahlen der Hersteller übertreffen die Erwartungen. Das Programm
geht längst über die Verarbeitung starrer Teile hinaus.
hpa. FRANKFURT, 30. Mai. Schweißen, lackieren oder fertige Produkte auf Fehler
prüfen - Industrieroboter haben sich in den Werkshallen rund um den Globus ein
immer größeres Terrain erobert. Und die Suche nach neuen Einsatzmöglichkeiten
geht weiter, wie kürzlich auf der Fachmesse Automatica in München deutlich
wurde. Starre Teile zu verarbeiten gehört längst zum Standardprogramm der
Robotertechnik. Deutlich schwieriger ist die Automatisierung dagegen noch, wenn
es um biegbare oder bewegliche Komponenten geht. Aber auch hier schreitet das
Zusammenspiel von Mensch und Maschine voran. So zeigte zum Beispiel das
Stuttgarter Fraunhofer-Institut IPA zusammen mit der deutschen
Tochtergesellschaft des 3M-Konzerns eine Lösung für mobile automatisierte
Klebeprozesse. Dabei werden mit Hilfe eines Leichtbauroboters Klebeflächen
gereinigt und Klebe-Pads für Türdichtungen angebracht - geeignet insbesondere
für Werkstätten oder die Kleinserienfertigung, hieß es.
Schon in der Konjunkturkrise 2009 hatten die Roboterhersteller gehofft, dass
ihre Branche früher oder später von der Wirtschaftsmisere profitieren wird. Der
Zwang, die industrielle Produktion zu automatisieren und kostengünstiger zu
gestalten, wächst gerade in schlechten Zeiten. Die Absatzzahlen des Jahres 2011,
die von der International Federation of Robotics (IFR) nun veröffentlicht
wurden, übertreffen allerdings alle Erwartungen. Gut 165 000 Industrieroboter
wurden im vergangenen Jahr global abgesetzt - das bedeutete eine Steigerung von
37 Prozent zum Vorjahr. Geschätzt fast 25 Milliarden Dollar wurden damit
umgesetzt. "Und wir sind sicher, dass die Verkäufe von Robotern 2012 weiter
ansteigen und ein neuer Rekordwert erreicht wird", sagt der IFR-Vizepräsident
Arturo Baroncelli.
Insbesondere in China findet ein rasanter Aufholprozess statt, der so schnell
wohl nicht beendet sein wird. Knapp 22 600 Industrieroboter wurden 2011 in die
Volksrepublik geliefert, ein Zuwachs von gut 50 Prozent. Spätestens für 2014
erwarten Fachleute, dass China der größte Robotermarkt der Welt sein wird; eine
Position, die bislang fest in der Hand der Japaner war. Insgesamt sind von 1961
bis heute global rund 2,3 Millionen Industrieroboter verkauft worden.
Es ist insbesondere die Autoindustrie, die diese Entwicklung vorantreibt und
auch den deutschen Roboterherstellern und Zulieferern gute Geschäfte beschert.
Nicht nur in den neuen Autofabriken in China oder Mexiko wird modernste
Automatisierungstechnik verwendet, sondern auch im Heimatland. In den deutschen
Autowerken seien 2011 gut 10 500 neue Industrieroboter installiert worden - mehr
als doppelt so viele wie im Vorjahr, berichtet Michael Wenzel, Geschäftsführer
des Roboterherstellers Reis. Auf 10 000 Beschäftigte kommen hierzulande im
Autobau inzwischen rund 1130 Industrieroboter - dies sei im globalen Vergleich
die dritthöchste Roboterdichte. Dieser Trend werde auch 2012 andauern, sagt
Wenzel.
Im Maschinenbauverband VDMA blickt man denn auch äußerst zufrieden auf die
aktuelle Geschäftslage. Um 43 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro stieg im
vergangenen Jahr der Umsatz des Bereichs Robotik. Für 2012 wird nun eine kleine
Verschnaufpause mit einem Wachstum von lediglich 5 Prozent erwartet. "Im Schnitt
müsste die Branche in den kommenden Jahren aber jährlich um 10 Prozent zulegen
können", sagt Thilo Brodtmann, Geschäftsführer des VDMA-Fachbereichs Robotik und
Automation. "Der Kuchen des Robotikmarktes wird insgesamt immer größer." So
kommt die Automatisierungstechnik in immer mehr Ländern zum Einsatz. Im
vergangenen Jahr wurden zum Beispiel gut 1400 Industrieroboter nach Brasilien
geliefert - ein Zuwachs von 125 Prozent.
"Roboter können auch immer mehr Aufgaben in Kleinunternehmen übernehmen", fügt
Brodtmann hinzu. "Zudem werden sie immer einfacher zu programmieren." Ihre
Programmierkunst war es auch, die den Fraunhofer-Forschern auf der Automatica
doppelten Grund zur Freude gab: Das IPA räumte die beiden ersten Preise des auf
der Messe vergebenen "Walter Reis Innovation Awards" ab. Zum einen für eine
Roboteranlage, die Stahlbauteile in beliebiger Variantenvielfalt vollautomatisch
schweißen kann; zum anderen für ein neues Fahrwerk für mobile Roboter, die ihre
Dienste insbesondere an engen Arbeitsplätzen erbringen sollen.