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Airbus will 1000 neue Stellen in amerikanischem Werk schaffen

03.07.2012


Endmontage beginnt 2015 / Harte Kritik von Boeing


chs./ufe. PARIS/FRANKFURT, 2. Juli. Der europäische Flugzeughersteller
Airbus hat am Montag seine Pläne für den Bau eines Endmontagewerkes in den
Vereinigten Staaten präzisiert (F.A.Z. 30. Juni). So will das Unternehmen in
Mobile/Alabama rund 1000 Arbeitsplätze schaffen und dort 2015 die Endmontage
seiner Mittelstreckenmodelle A319, A320 und A321 aufnehmen.

Von 2016 an sollen von Mobile aus auch Flugzeuge ausgeliefert werden, denn
Airbus setzt große Stücke auf die amerikanischen Kunden. Airbus-Chef Fabrice
Brégier wies in Mobile darauf hin, dass die Vereinigten Staaten der weltweit
größte Markt für Single-Aisle-Flugzeuge (mit einem Gang in der Mitte) seien.
"Der vorausgesagte Bedarf beträgt 4600 Flugzeuge in den nächsten zwanzig Jahren.
Diese Montagelinie bringt uns unsere Kunden näher", teilte Brégier mit. Der
Flugzeughersteller plant, von 2018 an 40 bis 50 Flugzeuge pro Jahr dort
herzustellen. Das ist etwas mehr, als Airbus konzernweit heute monatlich an
Modellen der A320-Familie baut. Die Endmontage dieser Flugzeuge findet bislang
in Toulouse, Hamburg und im chinesischen Tianjin statt.

Mit dem neuen Montagewerk errichtet Airbus seinen ersten großen Standort in den
Vereinigten Staaten. Dieser befindet sich in einem amerikanischen Bundesstaat,
in dem auch Boeing präsent ist. Der amerikanische Konzern, dessen
Kurzstreckenmaschinen vom Typ 737 direkt mit der A-320-Familie konkurrieren,
stellt dort jedoch mit 2700 Beschäftigten Komponenten für seine Rüstungssparte
her. Nicht von ungefähr kommentierte Boeing die Pläne des europäischen Rivalen
in Alabama mit kräftigem Seitenhieb auf dessen vermeintliche Staatshilfen von
EU-Behörden: "Ganz unabhängig, wie viele neue Stellen in dem neuen Werk
geschaffen werden, verblasst diese Zahl angesichts der vielen Tausenden an
Arbeitsplätzen in der amerikanischen Luftfahrt, die durch die illegal gewährten
Subventionen für Airbus vernichtet werden", teilte der Konzern mit.

Lokale und bundesstaatliche Politiker feierten indessen die Entscheidung von
Airbus als einen Gewinn für die strukturschwache Region. Zwar fiel die
Arbeitslosigkeit in dem amerikanischen Bundesstaat zwischen Mitte 2011 bis heute
von 10 Prozent auf 7,4 Prozent. Doch diese Entwicklung wird von Experten vor
allem mit der Abwanderung von qualifizierten Fachkräften in andere Bundesstaaten
erklärt. "Mit diesem Projekt werden tausend sichere und gutbezahlte
Arbeitsplätze geschaffen, die die Menschen in Alabama brauchen und verdienen",
sagte der Gouverneur des Bundesstaates, Robert Bentley, am Montag.

Kenner der amerikanischen Wirtschaft vergleichen den Einstieg von Airbus mit der
Entscheidung von Mercedes, 1993 ein eigenes Montagewerk in Alabama zu eröffnen.
"Dieser Schritt eines globalen Markenartiklers ermutigte auch andere Hersteller
wie Honda, Hyundai oder Toyota, in Nordamerika mit eigenen Werken aktiv zu
werden", sagt Wirtschaftsprofessor Carl Moore von der University of South
Alabama.

Airbus ist heute bereits am Standort Mobile präsent. Der Flugzeughersteller
betreibt dort ein Ingenieurzentrum mit mehr als 200 Ingenieuren. Die
Tochtergesellschaft Airbus Military hat an dem künftigen Werksstandort auch eine
Niederlassung für den Kundenservice angesiedelt, von der aus sie Flugzeuge der
amerikanischen Küstenwache wartet und betreut. Airbus beschäftigt insgesamt mehr
als tausend Personen in den Vereinigten Staaten. Dazu gehört unter anderem ein
Zentrum für Ersatzteile und Logistik für Flugzeugteile in Ashburg, Virginia,
sowie ein Schulungszentrum in Miami in Florida.