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Chinas Maschinenbauer streben nach Deutschland

25.08.2012



Nach der Putzmeister-Übernahme durch Sany greift der Konkurrent Shandong
nach dem Gabelstaplerhersteller Kion. Weder die Hessen noch die Chinesen wollen
das offiziell bestätigen, aber die Hinweise verdichten sich.
itz. PEKING, 24. August. Nach edlen Booten jetzt Gabelstapler: Zu Jahresbeginn
hatte der chinesische Schwermaschinenkonzern Shandong Heavy Industry Group Co.
Ltd., Jinan, angekündigt, den größten Luxusjachthersteller der Welt zu kaufen,
die italienische Ferretti SpA, Forli. Für 178 Millionen Euro werde man 75
Prozent der Anteile der überschuldeten Gesellschaft übernehmen, hieß es. Derzeit
greift das Staatsunternehmen, das nach der Provinz Shandong südlich von Peking
benannt ist, offenbar nach dem deutschen Gabelstaplerhersteller Kion GmbH,
Wiesbaden.

Weder die Hessen noch die Chinesen wollen das offiziell bestätigen, aber die
Hinweise verdichten sich, dass intensive Gespräche geführt werden. Angeblich
geht es um einen Kaufpreis von mindestens 700 Millionen Euro. Das wäre die
größte Beteiligung eines chinesischen Konzerns in Deutschland. Die bisher
teuerste liegt erst wenige Monate zurück. Zum März hatte der
Schwermaschinenhersteller Sany Heavy Industry Co. Ltd., Changsha, aus der
Zentralprovinz Hunan für 324 Millionen Euro 90 Prozent an dem schwäbischen
Betonpumpenhersteller Putzmeister AG, Aichtal, übernommen.

Der Vorstoß aus Shandong reiht sich ein in eine immer länger werdende Liste
chinesischer Beteiligungen in Deutschland. So gingen kürzlich die angeschlagenen
Photovoltaikunternehmen Sunways AG, Konstanz, und Solibro, eine
Tochtergesellschaft der insolventen Q-Cells SE, Thalheim, an Bieter aus der
Volksrepublik. Zuvor hatte die Lenovo Group Ltd., Peking, den Computerhersteller
Medion AG, Essen, geschluckt. Insgesamt dürfte 2012 das Jahr mit den meisten
Zukäufen in aller Welt durch fernöstliche Investoren werden. Was Neuansiedlungen
und Erweiterungen angeht, so war im vergangenen Jahr kein anderes Land für die
Chinesen so interessant wie Deutschland (F.A.Z. vom 24. August).

Die beiden Akteure, um die es jetzt geht, sind einflussreiche Gesellschaften.
Kion mit seinen Hauptmarken Linde und Still gilt als größter
Gabelstaplerhersteller der Welt hinter Toyota Industries Corp., Aichi. Der
Umsatz betrug 2011 rund 4,4 Milliarden Euro, dabei fiel jedoch ein Verlust von
93 Millionen Euro an. Kion gehört dem Finanzhaus The Goldman Sachs Group Inc.,
New York, sowie der Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co. Ltd.,
London. Damit die Asiaten einsteigen können, ist angeblich eine Kapitalerhöhung
geplant, nach welcher die Chinesen ein Viertel der Anteile hielten. Sie wollen
Kion dem Vernehmen nach den Weg in ihre Heimat ebnen, den größten
Schwermaschinen- und Gabelstaplermarkt der Welt. Auch das frische Geld ist den
Wiesbadenern willkommen. Sie stehen im kommenden Jahr offenbar vor einer
wichtigen Umschuldungsrunde. Dabei ist ein möglicher Börsengang noch nicht vom
Tisch. Kion ist in China nicht unerfahren, 2009 gründete das Unternehmen nahe
Schanghai ein Gemeinschaftsunternehmen, die Kion Baoli (Jiangsu) Forklift Co.
Ltd., Jingjiang.

Shandong Heavy Industry ist ein staatlich dominiertes Unternehmenskonglomerat.
Es wurde 2009 von Weichai Power Co. Ltd., Shandong Engineering Machinery Group
Co. Ltd. und Shandong Automobile Industry Group in Jinan gegründet. Die Gruppe
besteht aus sechs Zweigen, die, ähnlich wie Sany, vor allem Bau- und andere
Schwermaschinen herstellen. Den Umsatz gibt die Gruppe für 2010 mit 81
Milliarden Yuan (10 Milliarden Euro) an. Bis 2015 wolle man die Erlöse auf 200
Milliarden Yuan und bis 2020 auf mehr als 300 Milliarden Yuan (38 Milliarden
Euro) steigern, teilt der Konzern mit. Man beschäftige rund 58 000 Mitarbeiter.
Es ist das erklärte Ziel, sich zu den 500 größten Konzernen der Welt zu
entwickeln. Dazu könnte der Kauf von Kion einen kleinen, aber prestigeträchtigen
Beitrag leisten.