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Globale Präsenz zahlt sich aus

10.09.2012



Die Exporte in die südeuropäischen Schuldenländer sinken. Das Wachstum in
China und damit die Ausfuhren in das Reich der Mitte schwächen sich ab. Deutsche
Unternehmen blicken daher mit einiger Skepsis auf die kommenden Monate. So
manche Investitionsplanung wird wieder auf Eis gelegt. Im operativen
Tagesgeschäft jedoch werden sinkende Absatzzahlen auf den einen Märkten häufig
durch Erfolge in anderen Regionen wettgemacht. Noch erwarten die meisten
Unternehmen auch für das Gesamtjahr eher steigende Umsätze - allerdings mit
sinkenden Zuwachsraten.
AUTOINDUSTRIE.

In dieser Woche hat Volkswagen sein wichtigstes Auto vorgestellt, den Golf.
Manche Beobachter sagen kritisch, die siebte Auflage des bisher 29 Millionen Mal
verkauften Bestsellers komme passend zur nächsten Autokrise. So weit ist es noch
nicht, aber am Freitag veranlassten die Absatzrückgänge in West- und Südeuropa
den VW-Konzern zu einer Senkung seiner Verkaufsziele. Trotzdem: Für den
VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn ist der Golf ein "ein Schrittmacher
für die gesamte Branche". Doch die Branche teilt sich konjunkturell: Da sind
jene Unternehmen wie VW und die Premiumanbieter Daimler und BMW, die noch gute
Geschäfte im Export nach China, Nordamerika, Brasilien und Russland machen. Und
dann gibt es die Massenhersteller wie Opel, Ford, Fiat und Peugeot-Citroën, die
nun unter großen Absatzschwierigkeiten in Kontinentaleuropa leiden. Opel hat
bereits Kurzarbeit für rund 10 000 Mitarbeiter verkündet, der Lieferant Bosch
zog wenig überraschend nach, weil von den Massenherstellern weniger Komponenten
geordert werden.

Im Branchendurchschnitt kann noch nicht von einem Abschwung geredet werden. Nach
Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) nahm der Export im August noch
einmal um 1 Prozent auf 284 400 Fahrzeuge zu; in Deutschland lagen die
Neuzulassungen im selben Monat um 5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Und auch
hier zeigen die Unternehmen entgegen gesetzte Zahlen: Opel meldete im August
einen Absatzrückgang in Deutschland um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Für BMW war der August dagegen ein neuer Rekordmonat. Vertriebsvorstand Ian
Robertson blieb am Freitag zuversichtlich: "Wir rechnen auch in den kommenden
Monaten mit einer positiven Absatzentwicklung."

hpe.

MASCHINENBAU.

Eine Industrie, die Spät- und Frühzykliker, Erstausrüster und kleine Zulieferer
in fast 40 Sparten unter einem Dach versammelt, kennt immer Verlierer und
Gewinner. Aber in summa zeigen sich die deutschen Maschinenbauer von den
Turbulenzen um sie herum bislang wenig beeindruckt. Gerade erst hat der
Branchenverband VDMA sein zu Jahresbeginn gemachtes Produktionsziel eines
Nullwachstums erhöht und rechnet nun mit 2 Prozent Plus in diesem und auch im
kommenden Jahr. Dabei spüren die Anlagenbauer es durchaus schmerzlich, wenn in
wichtigen Ländern wie Spanien oder Italien weniger Maschinen bestellt werden und
die Chinesen mit Investitionen vorsichtiger werden. Im größten reinrassigen
Maschinenbaukonzern Deutschlands, der Gea Group, wurde zuletzt zum Beispiel das
Ausbleiben weiterer Großaufträge für Getränkeabfüllungen in China genau
registriert. "Dafür erleben wir, dass plötzlich vermehrt Aufträge aus Regionen
kommen, in denen wir vorher nicht so präsent waren", sagt ein Sprecher des
Konzerns. "Es gibt keinen Knick in der Pipeline."

Es ist die Fähigkeit, auch als Mittelständler rund um den Globus liefern zu
können, gepaart mit dem guten Ruf der Anlagen "made in Germany", der den
Maschinenbauern jetzt hilft. "Wir haben seit längerem keine Stornierungen mehr
gesehen und auch nicht den Eindruck, dass Projekte verzögert werden", sagt Kai
Bentz, der Finanzvorstand des gerade in den Index Tec-Dax aufgerückten
Lasermaschinenbauers LPKF. Das Unternehmen exportiert 90 Prozent seiner Anlagen,
und das in eine Vielzahl von Abnehmerbranchen, wo mit den hochmodernen
LPKF-Geräten häufig bestehende Anlagen ersetzt werden. Insbesondere in Amerika
machen die Maschinenbauer derzeit glänzende Geschäfte mit der Modernisierung von
Fabriken. Natürlich verunsichere die globale Konjunkturlage, heißt es im VDMA.
Umso mehr werde nun eben wieder um jeden Auftrag gekämpft.

hpa.

CHEMIE.

Das Wohl und Wehe der chemischen Industrie hängt noch immer von Europa ab. Trotz
Milliardeninvestitionen in Schwellenländern erwirtschaftet die Branche gut zwei
Drittel der Erlöse in Deutschland und Europa. Der rasante, meist zweistellige
Umsatzanstieg in allen anderen Weltregionen ist deshalb im ersten Halbjahr
nahezu verpufft. Umsatzrückgänge von 2,4 Prozent in Deutschland und 4,2 Prozent
in den restlichen EU-Staaten machen vielen Betrieben zu schaffen. Erst diese
Woche hat der Branchenverband VCI die Prognose reduziert und erwartet nunmehr
auf Jahressicht einen Rückgang der Produktion um 3 Prozent und stagnierende
Umsätze. Zum Vergleich: die globale Chemieproduktion soll um 3,5 Prozent
wachsen. "Die EU-Schuldenkrise macht sich nun auch im Inlandsgeschäft bemerkbar:
Viele unserer Industriekunden drosseln ihre Produktion und ordern weniger
Chemikalien", sagt VCI-Präsident Klaus Engel, zugleich Vorstandsvorsitzender des
Spezialchemiekonzerns Evonik. Hinzu kommt das langsamere Wachstum in China. Die
Geschäfte dort hätten sich in bisher nicht gekanntem Ausmaß abgekühlt, sagte
kürzlich BASF-Chef Kurt Bock. Asien bleibe aber grundsätzlich im Wachstumsmodus.