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Neue Fabriken erfordern neue Roboter

03.09.2012


Branche erwartet deutliches Wachstum in China / Automatisierung auch im Kuhstall und im Operationssaal


hpa. FRANKFURT, 2. September. Noch herrschen in vielen chinesischen
Fabriken archaisch anmutende Zustände mit Hunderten von Arbeitern, die
Werkstücke von Hand bearbeiten oder Teile zusammensetzen. Doch die
Automatisierung des Landes schreitet, insbesondere in neu errichteten Werken,
rasch voran - sehr zur Freude der großen Roboterhersteller. Zwar kommen auf 10
000 Beschäftigte in der verarbeitenden Industrie in China erst gut 20
Industrieroboter, wie der Internationale Roboterverband IFR ermittelt hat. Damit
liegt das Land nicht nur weit hinter den führenden Roboternationen Korea (347
Anlagen), Japan (340) und Deutschland (261) zurück, sondern ist auch noch unter
dem globalen Durchschnitt (55 Industrieroboter).

Aber neue Fabriken werden in China von Beginn an vielfach mit modernsten
Automatisierungsanlagen bestückt. In den vergangenen fünf Jahren haben sich die
Roboterlieferungen dorthin vervierfacht, allein im vergangenen Jahr waren es 22
600 Industrieroboter und damit 51 Prozent mehr als im Vorjahr. "In 50 Jahren
Robotikgeschichte gab es kein anderes Land, das einen so dynamischen Zuwachs in
so kurzer Zeit verzeichnen konnte", resümiert der Verband. Um die gleiche
Roboterdichte wie in Deutschland zu erreichen, müsste in den kommenden Jahren
rund 1 Million Roboter in China in Dienst genommen werden, heißt es.

Es ist insbesondere die Autoindustrie, die auch den deutschen Herstellern den
Weg nach China ebnet. So erhielt der Augsburger Konzern Kuka AG unlängst wieder
einen Auftrag eines deutschen Oberklasseherstellers, dort eine neue
Karosserierohbauanlage zu bestücken. Dabei geht es um Fertigungslinien, auf
denen Türen oder Motor- und Heckklappen an das Chassis angebracht werden. "Wir
fokussieren uns nach wie vor darauf, unsere Marktposition in China zu steigern",
kommentierte der Kuka-Vorstandsvorsitzende Till Reuter die Bestellung, die einen
Umfang im niedrigen zweistelligen Millionenwert hat. Auch der direkte Konkurrent
Reis Robotics will im Reich der Mitte weiter expandieren, ein zweiter Standort
östlich von Schanghai soll neben Büros auch Fertigungsflächen enthalten. Während
der Robotermarkt in Europa mehr oder weniger saturiert sei, komme das künftige
Wachstum hauptsächlich aus Asien und dort vor allem aus China, sagt Michael
Wenzel, Geschäftsführer von Reis Robotics.

Aber das Reich der Mitte ist nicht der einzige vielversprechende Markt. Auch in
den Vereinigten Staaten werden viele Fabriken modernisiert. Deutschland hat im
vergangenen Jahr 19 500 neue Industrieroboter in Dienst genommen und damit 39
Prozent mehr als im Vorjahr. Und in Japan, wo der heimische Konzern Fanuc das
Feld dominiert, brachte der Wiederaufbau nach der Katastrophe von Fukushima
viele Bestellungen. Insgesamt gut 166 000 Industrieroboter im Gesamtwert von
rund 8,5 Milliarden Dollar wurden laut IFR im vergangenen Jahr rund um den
Globus abgesetzt, ein Zuwachs von 38 Prozent zum Vorjahr. "Und die
Erfolgsgeschichte setzt sich in diesem Jahr und darüber hinaus fort",
prognostizierte der IFR-Präsident Shinsuke Sakakibara nun auf einer
Veranstaltung in Taipeh. "Trotz der nachlassenden globalen Konjunktur ist ein
weiterer Anstieg des Roboterabsatzes von etwa 9 Prozent auf 181 000 Stück in
2012 wahrscheinlich", sagte er. In den drei Folgejahren werden weitere Zuwächse
von jeweils 5 Prozent erwartet.

Auch als "helfende Hand" bei vielen Dienstleistungen spielen Roboter eine
zunehmende Rolle. Allerdings wird das Feld der Serviceroboter noch immer von
militärischen Anwendungen, zum Beispiel Drohnen, dominiert, die 2011 rund 40
Prozent der verkauften Anlagen ausmachten. Dahinter folgt eine steigende Zahl
von Melkrobotern, fast 5000 waren es zuletzt. Insgesamt wurden im vergangenen
Jahr rund 16 400 Serviceroboter verkauft (plus 9 Prozent), die einen
Gesamtumsatz von 3,6 Milliarden Dollar brachten. Auch in Operationssälen finden
sich immer mehr automatisierte Assistenten, 2011 wurden 1051 von ihnen
abgesetzt. Mit einem durchschnittlichen Stückpreis von 1,5 Millionen Dollar sind
sie besonders teuer. Als Helfer für die Pflege und Therapie zu Hause haben sich
Serviceroboter bislang jedoch noch nicht durchgesetzt: Im vergangenen Jahr waren
es laut IFR lediglich 156 verkaufte Stück.