Loewe und Metz sind die letzten Überlebenden einer untergegangenen
deutschen Fernsehindustrie. Sie produzieren weiter hierzulande und setzen auf
Klasse statt auf Masse. Das hat seinen Preis.
fib./tih. BERLIN, 31. August. Als die Bilder laufen lernten, war Deutschland
ganz vorn mit dabei. Heute werden im Pionierland der Fernsehtechnik mit zehn
Millionen Geräten im Jahr so viele Fernseher verkauft wie nie zuvor. Doch gebaut
werden hier kaum noch welche. Von den einstmals Dutzenden großen
Markenunternehmen haben nur zwei die Unabhängigkeit gewahrt: Loewe und Metz.
Loewe ist an der Börse, Metz noch immer in Hand der Gründerfamilie. Beide bieten
Klasse statt viel Masse.
Diese Klasse hat ihren Preis. "Billig können wir uns gar nicht leisten", sagt
Norbert Kotzbauer, Geschäftsführer der Metz Werke GmbH & Co KG. Die Geräte aus
dem Hause Metz sind oft doppelt so teuer wie die der Konkurrenz aus Asien, die
Preise von Loewe liegen um rund die Hälfte höher. Und das in einem Marktumfeld,
das nur eine Richtung kennt: nach unten. Im Durchschnitt kostet ein neuer
Fernseher heute nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom kaum mehr 600 Euro.
2008 waren es noch 830 Euro.
Dass sich ein Unternehmen wie Loewe davon abkapseln will, zeigt das Angebot auf
der IFA deutlich. Als neues "Highlight-Fernsehgerät" stellen die Kronacher das
Modell Reference ID vor. Hier wird zunächst nicht mit technischen Daten
geprotzt, sondern stolz auf "meisterhafte Verarbeitung, edle Materialien und
extreme Individualisierbarkeit bis hin zum Einzelstück" verwiesen. Zusammen mit
der italienischen Klaviermanufaktur Fazioli und Fürst Alexander zu
Schaumburg-Lippe seien gar Unikate entstanden, heißt es.
Diese Individualität reicht in Berlin bis zum Ku'damm. Auf der Flaniermeile lädt
ein Loewe-Laden Besserverdiener zum Einkauf ein. Mit dieser Strategie setzten
die rund 1000 Mitarbeiter im vergangenen Jahr knapp 275 Millionen Euro um. Doch
Luxus bewahrt nicht vor Verlusten. Zuletzt reduzierten sich die Minuszeichen
zwar, im zweiten Quartal fiel aber immer noch ein operativer Verlust von 2,2
Millionen Euro an.
Wie die Gewinnlage bei Metz aussieht, mag das Unternehmen nicht bekanntgeben.
Als Familienfirma muss es das auch nicht. Ingenieur Paul Metz hatte das
Unternehmen 1938 in Fürth gegründet, baute zunächst elektronische Geräte für
Carl Zeiss, entwickelte im Krieg Produkte für die Hochfrequenztechnik, stieg
später ins Geschäft mit Radiogeräten ein und baute vom Musikschrank bis zum
Kofferradio alles, was nachgefragt wurde. Später gründete er innerhalb der
Metz-Werke die Sparte Unterhaltungselektronik und setzte neben seinem
Stammgeschäft auch auf Blitzgeräte für Fotoapparate.
Metz beließ es nicht bei Blitz und Ton, er wollte laufende Bilder. Nachdem er
Anfang der fünfziger Jahre das erste Babyphone der Welt gebaut und Kofferradios
mit Plattenspieler auf den Markt gebracht hatte, stellte er Mitte der fünfziger
Jahre sein erstes Fernsehgerät vor.
Da war der 1923 gegründete Anbieter Loewe in der Branche schon fest etabliert,
hatte mehrere Jahre mit dem Fernsehpionier Manfred von Ardenne
zusammengearbeitet - war jedoch wie Metz noch einer von vielen. Zur Industrie
zählten allein in Deutschland fast 80 selbständige Markenunternehmen, von
Grundig bis AEG-Telefunken, von Blaupunkt bis Nordmende, Braun oder Bosch. Sie
gingen unter oder verabschiedeten sich aus dem Geschäft mit den Mattscheiben.
Metz hat bis heute die Selbständigkeit im Pionierland des Fernsehfunks bewahrt.
"Sicher, wir sind nicht Innovationsführer", sagt Kotzbauer. "Wir stehen nicht
mal in der zweiten Reihe. Wir sind bestenfalls der gute Dritte. Alles andere
wäre bei unserer Größe auch utopisch." Der Hersteller verkauft im Jahr rund 100
000 Fernsehgeräte, erlöst insgesamt rund 124 Millionen Euro und beschäftigt rund
600 Mitarbeiter. "Wir montieren unsere Geräte nicht einfach nur zusammen", sagt
Kotzbauer. Am Stammsitz im fränkischen Zirndorf werden auch die Leiterplatten
gebaut, die Schaltzentralen eines jeden Fernsehgeräts, die Empfangssignale in
Bild und Ton verwandeln. Metz verkauft nur über den Fachhandel, und das hat
seine Gründe. Damit müssen die Geräte nicht bei Billiganbietern neben der
Konkurrenz aus Fernost stehen, wo sie sich preislich abheben. Zudem lobt
Kotzbauer die Nähe zum Kunden; man wisse, wann man auf welche technologische
Entwicklung aufspringen müsse. So sind auch internetfähige Fernsehgeräte,
Computer-Apps für deren Steuerung und Speichertechniken aller Art im Angebot.
Die Kundschaft ist gut betucht, serviceorientiert und meist auch zufrieden. "Als
wir uns 2005 entschieden, die letzten Röhrengeräte zu produzieren und auf
LCD-Flachbildschirme umzusteigen", sagt Kotzbauer, "wurden in Deutschland rund
5,5 Millionen Fernsehgeräte im Jahr verkauft. In diesem Jahr werden es allein
hierzulande erstmals mehr als zehn Millionen Geräte sein."
Der große Teil des Geschäfts geht an die Weltmarktführer Samsung, LG und Sony.
Doch die Branche steckt in der Krise. Die Fernsehsparte von Sony arbeitet seit
acht Jahren im Minus. Die Verluste haben sich auf 8 Milliarden Euro aufgebläht.
Samsung hat aufgrund der schwierig laufenden Geschäfte einen Plan in der
Schublade, die Fernsehsparte vom Konzern abzutrennen. Die japanische
Sharp-Gruppe steht finanziell am Abgrund. Und die niederländische Philips
verabschiedet sich Stück für Stück vom Fernsehgeschäft. Dort, wo Philips an
einem neuen Fernseher draufsteht, ist nicht mehr Philips drin. Loewe dagegen
bleibt Loewe, und Metz bleibt Metz. "Wir haben uns in unserer Nische
eingerichtet und verteidigen sie", sagt Kotzbauer.