BB Flashback ist eine Screencast-Software
Für viele ist heute die Welt alles, was sich auf dem Display abspielt.
Diese Realität zeichnen nicht mehr Videokameras auf, sondern Screenrecorder.
Speichert ein Screenshot den Bildschirminhalt oder Teile davon als Foto, so
bringt ein Screenrecorder diesen als Screencast zum Laufen und Tönen. Wofür man
das braucht? Etwa dazu, jemandem wie live ein Programm zu erklären. Die
Anleitungsbüchern beigelegten CDs sind voll von diesen Schulungen. Oder man
nimmt einen Film im Internet auf, dessen direkte Speicherung irgendwelche
Rechtsvorbehalte verbieten. Dabei besteht das Kameraauge ebenfalls aus Bits und
Bytes.
Komfortabel ist "Camtasia Studio" für PC und Mac. Doch schwächelt dieser
Recorder bei Bildschirmgrößen jenseits 1280 mal 720 Pixel. Das ist bei "BB
Flashback" mittlerweile in der Versionsnummer 3 nicht der Fall. Die Software
nimmt den gesamten Bildschirm oder einen beliebigen Teil davon mit wählbarer
Tonquelle und sogar einblendbarer Webkamera für persönliche Kommentare auf.
Danach erfolgt die Speicherung in einem firmeneigenen Format, in dem sich der
Film bearbeiten lässt. Fällt die Klappe beim Director's Cut, erfolgt die
Konvertierung in eines der üblichen Komprimierungsverfahren wie Flash, WMV, AVI
oder Quicktime. Auf Wunsch richtet sich dieser Export gleich automatisch an das
Ziel-Medium wie iPod oder Youtube aus, wohin der Screencast umstandslos mit
einem Mausklick findet. Damit ist alles das, was auf dem Bildschirm passiert,
binnen Sekunden im Netz.
Üblicherweise aber ist vorher ein Schnitt notwendig. Zudem wollen Pfeile und
Texttafeln auf Besonderheiten aufmerksam machen. Der dröge Mauspfeil kann mit
einem Farbkreis unterlegt und das Klicken der linken wie rechten Maustaste
jeweils unterschiedlich farblich markiert werden. Zudem lässt sich auf
Bild-Details zoomen, sowie Standbilder und andere Videos können mit eingebaut
werden. Die Original-Tonspur ist um weitere - mit einer aufgesprochenen
Erläuterung, beispielsweise - erweiterbar. Die Werkzeuge hierfür scheinen erst
spartanisch, sind tatsächlich aber für eine einfache Bedienung zweckmäßig
reduziert. Zum Schneiden erscheint die Videospur Bild für Bild, die wiederum in
verschiedene Zeilen aufgeteilt ist, so dass sich Zoom-Effekte oder
Mausbewegungen mit einem Blick erfassen, mit wenigen Klicks ändern lassen. Ein
Bild (Frame) kann wie ein Standbild zeitlich verlängert werden, um bei schnell
ablaufenden Vorgängen akustische Erläuterungen, textliche Hinweise oder
farbliche Hervorhebungen noch besser erkennbar zu machen. Diese Elemente und
Aktionen finden sich übersichtlich in zusätzlichen Spuren organisiert, wodurch
sie sich Frame-genau zuordnen und ändern lassen. Schon beim Zeigen auf den
gewünschten Frame zeigt sich das betreffende Bild in verkleinerter Ansicht. Mit
der sachlichen optischen Gestaltung der kommentierenden Elemente blamiert sich
selbst vor wissenschaftlichem Publikum niemand.
Nach kurzer Übungszeit erzielt man mit der Software optisch wie akustisch
professionelle Ergebnisse. Ihre Bedienung ist beinahe intuitiv, die
(englischsprachige) Hilfefunktion ebenso klar wie knapp. Im Vergleich zum
teureren Camtasia vermissten wir allein die Übergangs-Effekte von Einstellung zu
Einstellung; Standbilder überbrücken diesen noch unerfüllten Wunsch. Wer in
Software lebt und anderen diese Welt überzeugend in allen Facetten zeigen will,
für den ist BB Flashback eine erste Wahl, die zudem mit Funktionen wie
zeitgesteuerter Aufnahme und nachträglicher Veränderung des Bildformats sowie
effizienter Tonbearbeitung glänzt. Weiterhin jedoch muss sich der Regisseur
selbst Gedanken um den Aufbau seines Videos machen - damit dieses
spannungsgeladene Geschichten erzählt.
NILS SCHIFFHAUER BB Flashback von Blueberry Software kostet zirka 62 Euro,
Basis- sowie Testversion kostenlos im Internet unter www.bbsoftware.co.uk