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Probleme mit Print und PDF

20.05.2012



Drucken mit dem iPad? Da hat sich Apple nicht mit Ruhm bekleckert. Aber mit
passenden Apps kommt man doch zum Ziel.
VON MICHAEL SPEHR
Drucken mit dem iPad oder iPhone: Das hört sich nach einer der einfachsten
Übungen der Welt an, ist jedoch eine komplizierte Angelegenheit. Wer mit
Bordmitteln seine E-Mails, Zeichnungen oder Web-Sites ausgeben will, findet zwar
in fast allen Apps ein Symbol mit einem schwungvoll nach links oder rechts oben
zeigenden Pfeil. Aber spätestens im dann aufploppenden Menü ist die Frage aller
Fragen aufgeworfen: Wie integriere ich hier meinen Drucker? Bei den meisten
Printern stellt sich eine gewisse Ratlosigkeit ein. Denn Apple unterstützt für
iOS nur Drucker mit dem hauseigenen Airprint-Protokoll. Das sind jeweils ein
gutes Dutzend Modelle von Brother, Canon, Epson, Hewlett-Packard und Lexmark.
Mit allen anderen oder älteren Produkten bleibt das Papier weiß, selbst wenn der
netzwerkfähige Drucker beispielsweise an einer Fritzbox hängt.

Auch Airport-Express, Apples Universalzubehör für knifflige Verbindungen, muss
hier passen. Zwar heißt es in der Produktbeschreibung, man könne einfach ein
Gerät via USB an die Basisstation anschließen und schon stehe dem kabellosen
Drucken "nichts mehr im Wege". Mit iPad und iPhone funktioniert das jedoch
nicht.

Selbst die naheliegende Idee, am iPhone oder iPad ein PDF zu erstellen, hat
Apple nicht vorgesehen. Warum nicht, fragt man sich, schließlich gehört doch die
PDF-Ausgabe seit Jahr und Tag zum Betriebssystem der Mac-Rechner. Eine kleine
App, die noch im vergangenen Jahr hilfreich einsprang und sich als universeller
PDF-Drucker bewährte, wurde im Herbst von Apple aus dem App Store verbannt.
Ärgerlich, denn Print2PDF war eine ordentliche Universallösung für nahezu alle
Ansprüche. Wir haben also nach anderen Wegen rund um Print und PDF gesucht - und
mehrere Alternativen gefunden.

Zunächst die zahlreichen PDF-Apps, die wie gehabt für iPhone und iPad im Angebot
sind. Sie erlauben zwar eine PDF-Erstellung. Aber leider nicht über das
Druckmenü, sondern nur aus der App heraus. Das alles ist ziemlich umständlich,
wie das Beispiel des "PDF Printer" von Dar Soft (5 Euro) zeigt: Um eine Web-Site
in eine PDF-Datei zu überführen, muss man sie ein zweites Mal im Browser der App
öffnen und kann dann konvertieren. E-Mail-Anhänge lassen sich im Mail-Programm
mit einem längeren Fingerdruck auf das Anhängsel-Symbol und das Menü "Öffnen in"
an den PDF Printer übergeben und in einem zweiten Schritt konvertieren. Aber die
gesamte E-Mail-Nachricht lässt sich nicht auf die Schnelle umwandeln. Nur im
Umweg über die Zwischenablage funktioniert das, allerdings ohne die Kopfzeilen.
Immerhin bietet der PDF Printer eine Dropbox-Integration, so dass sich Dokumente
von dort holen und als PDF ausgeben lassen. Aber komfortabel ist das nicht.

Schneller und schöner wird das Ganze, wenn ein Mac-Rechner oder Windows-PC im
gleichen W-Lan eingebucht ist und pfiffige Zusatzsoftware eine Airprint-Freigabe
herstellt. Das funktioniert auch mit älteren Geräten, nur müssen während des
Druckens sowohl der PC wie auch der Drucker eingeschaltet sein. Wir haben die
kleine Software "Printopia" von Ecamm Network für den Mac ausprobiert. Sie
kostet 20 Dollar, eine Probeversion ist unentgeltlich auf der Internetseite des
Herstellers ladbar (www.ecamm.com). Das Mini-Programm ist nach der Installation
in den Systemeinstellungen des Mac zu finden, auf dem iPhone oder iPad muss man
nichts laden oder einrichten.

Printopia integriert nicht nur vorhandene Drucker. Vielmehr ist auch ein
praktischer PDF-Export vorgesehen. Mit "Send to Mac" wird die erzeugte PDF-Datei
im Dokumentenordner des Rechners abgelegt. Mit "Send to Dropbox on Mac" landet
das PDF gleich im Cloud-Speicher des Nutzers und steht damit allen verbundenen
Dropbox-Geräten zur Verfügung. Am iPad oder iPhone wählt man Printopia als
Drucker, gibt die gewünschten Seiten an, und alles andere ist geradezu ein
Kinderspiel. Sieht man von der kleinen Einschränkung des eingeschalteten Mac
einmal ab, erfüllt dieses Programm alle Wünsche. Wir können es empfehlen. Im
Einsatz mit verschiedenen Apps gab es nur sehr selten kleine Probleme mit der
Formatierung.

Ähnlich arbeitet "Fingerprint" von Collobos (www.collobos.com). Es kostet 10
Dollar und steht auch in einer Windows-Version zur Verfügung. Diese haben wir
unter Windows 7 ausprobiert - sie funktionierte bei uns nicht. Wer das
Microsoft-Betriebssystem einsetzt, kommt gegebenenfalls schon mit Bordmitteln
zum Ziel. Der Programmierer Stephan Mühl stellt auf seiner Homepage den
"Airprint Activator" vor, er setzt iTunes und Apples Bonjour voraus, und lässt
sich unentgeltlich laden (http://bit.ly/Kj7hB9). Schließlich "Netgear Genie",
eine Gratis-App, die mit den Routern dieses Herstellers zusammenarbeiten und die
Drahtlos-Druckausgabe übernehmen soll - aber eben nur mit Netgear-Geräten. Alles
in allem hat sich Apple beim Thema Drucken nicht mit Ruhm bekleckert. Zumindest
eine universelle PDF-Ausgabe wie im Mac-Betriebssystem sollte von Haus aus in
den iOS-Geräten eingebaut sein.

Abschließend ein Blick auf die Apps zum Lesen und Bearbeiten von PDF-Dokumenten.
Hier wird man von der Fülle der Möglichkeiten geradezu erschlagen. Um es anders
auszudrücken: Man kann auf dem iPad selbst die allerdicksten Akten im PDF-Format
unterwegs komfortabel lesen oder mit Anmerkungen versehen. Wir haben einen
DIN-A4-Ordner mit mehr als 300 Seiten eingescannt, mit einer
OCR-Zeichenerkennung durchsuchbar gemacht und aufs iPad übertragen. Man hantiert
damit nahezu ohne Einschränkungen, kann mit flinken Fingerstreichen schnell
durch die Seiten blättern - oder nutzt die Volltextsuche, um einzelne Passagen
zu finden. Wir probierten den PDF Expert von Readdle (für 8 Euro). Die
PDF-Dateien kommen entweder mit einer iTunes-Synchronisation auf das Gerät, oder
man greift über Cloud-Dienste wie Dropbox auf sie zu. Es gibt Optionen zum
Hervorheben und Markieren, zum Anbringen von Notizen, und es lassen sich sogar
PDF-Formulare am Bildschirm ausfüllen. Bei geänderten Versionen muss man
allerdings die Synchronisation manuell anstoßen. Anmerkungen in Fingerschrift
sind zudem eine kritzelige Angelegenheit, davon sollte man sich nicht zu viel
versprechen. Das alles schmälert jedoch die Begeisterung nicht, hier wird das
iPad zum professionellen Arbeitsgerät. Vergleichbare und ebenfalls hochgelobte
Apps sind "iAnnotate" des Herstellers Aji (8 Euro) sowie "Good Reader" von Good
iWare (4 Euro).