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Aktie im Blick: Opera

Profiteur des F-Worts

27.06.2012



Bis vor kurzem bezeichnete ein "F-Wort" im Englischen meist ein hier nicht
wiederholbares Schimpfwort. An den Aktienmärkten scheint sich seit dem
Börsengang des sozialen Netzwerkes Facebooks eine weitere Bedeutung
durchzusetzen, nach dem Schema: Bringe ein Internetunternehmen als
Übernahmekandidat für Facebook ins Spiel, und der Aktienkurs des möglichen
Akquisitionsziels geht zeitweise durch die Decke.

Jüngstes Beispiel ist der norwegische Browserhersteller Opera. Zu Wochenbeginn
spekulierten mehrere Blogs, dass Facebook das Softwarehaus für eine Milliarde
Dollar übernehmen könnte, um sich dessen Programme zu sichern. Mit Browsern wie
Microsofts Internet Explorer, Mozillas Firefox, Googles Chrome, Apples Safari
oder eben Operas gleichnamigen Browsern wandern Internetnutzer im Netz von Seite
zu Seite. Allein das weiter unbestätigte Gerücht reichte, um Operas Aktie auf
ein Allzeithoch steigen zu lassen: Zeitweise legte das Papier an der Osloer
Börse 26 Prozent zu und notierte bei 43,20 Kronen, was 5,74 Euro entspricht und
eine Marktkapitalisierung von rund 640 Millionen Euro impliziert. Am Mittwoch
verlor das Papier wieder leicht und tendierte bei 39,70 Kronen.

Im Gegensatz zu Marktführern wie dem Internet Explorer oder Firefox nutzt bisher
eine überschaubare Anzahl an Menschen Opera. Rund 170 Millionen Nutzer
verzeichnete Opera zuletzt. Weil die Norweger einen der letzten unabhängigen
Browser anbieten, sind sie für manchen Analysten schon länger ein potentieller
Übernahmekandidat. "Wir erwarten, dass Google und andere Interesse an Opera
zeigen, wenn die Übernahmegerüchte um Facebook Realität werden", analysiert der
norwegische Finanzdienstleister DNB.

Auch Aleksander Nilsen von der norwegischen Investmentbank ABG Sundal Collier
hat schon länger mit einer Übernahme gerechnet. Für Nilsen wäre Facebook der
geeignetere Aufkäufer, auch weil Google schon einen Browser anbietet. "Facebook
hätte zurzeit die Möglichkeit, einen eigenen Browser zu entwickeln, aber das
dauert lange und würde viel kosten", sagt Nilsen. "Wenn Facebook einen eigenen
Browser anbieten will, ist Opera die einzige Wahl."

Laut Nilsen könnte der Browser aus dem hohen Norden dem Netzwerk aus Kalifornien
helfen, seine vielleicht größte Schwachstelle auszubessern: die mobile
Nutzerschaft zu Geld zu machen, die das soziale Netzwerk auf internetfähigen
Smartphones verwenden. "Opera hat zuletzt selbst Unternehmen akquiriert, die im
Geschäftsfeld mit der mobilen Werbung tätig sind", sagt Nilsen. Das Problem sei
derzeit, dass auf mobilen Geräten keine Cookies funktionieren, die
zielgerichtete Werbung von Facebook auf Desktop-Computern erst ermöglichen und
somit wertvoll machen. "In dieser Hinsicht könnte Opera Facebook einer Lösung
näherbringen", sagt Nilsen. Außerdem sieht er eine Stärke der Norweger in ihrem
Wachstumsfokus auf Asien, Osteuropa und Afrika. Der Browser Opera Mini
komprimiere das Datenvolumen stark, so dass das mobile Internet auch in Ländern
mit geringerer Bandbreite schneller ist als auf anderen Browsern. Das könnte
Facebook helfen, in Märkten voranzukommen, wo das Netzwerk derzeit noch nicht
Marktführer ist.

Insgesamt hält eine Mehrheit der Analysten Opera für einen Kauf - und zwar
unabhängig davon, ob die Gerüchte um Facebook nun stimmen oder nicht. "Die
Ergebnisse des ersten Quartals sind für uns eine solide Bestätigung des
Wachstumspotentials", heißt es im Bericht der DNB Gruppe. Ob Opera das Potential
nun mit oder ohne das berühmte F-Wort ausschöpfen, wird sich indes noch zeigen.

MARTIN GROPP