Schon mehr als 1 Billion Objekte gespeichert
Kno. FRANKFURT, 13. Juni. Die meisten Menschen verbinden mit dem Namen
Amazon lediglich den größten Internet-Einzelhändler der Welt. Unbemerkt von
einer breiteren Öffentlichkeit, ist Amazon aber zugleich zum wohl ebenfalls
größten Anbieter von Dienstleistungen rund um die digitale Rechnerwolke "Cloud"
geworden, jedenfalls in ihrer sogenannten "öffentlichen" Form. Die erst im Jahr
2006 gegründete Sparte "Amazon Web Services" (AWS) bietet sogenannte
Public-Cloud-Dienste an, die von jedem interessierten Unternehmen genutzt werden
können. Und das wird reichlich getan: Soeben hat das Unternehmen gemeldet, dass
die Zahl der auf Amazon auf dem Basisdienst S3 (dem "Amazon Simple Storage
Service") gespeicherten Objekte die Billionengrenze überschritten hat.
Um diese große Zahl greifbarer zu machen, hat Amazon ein wenig damit gerechnet:
Die Menge entspricht 142 Objekten je Mensch auf der Erde oder 3,3 Objekten je
Stern in unserer Galaxie. Könnte man ein Objekt pro Sekunde zählen, würde es 31
710 Jahre dauern, bis man alle gezählt hätte. Amazon erwartet schon länger,
diese Hürde zu nehmen; denn die Nachfrage nach dem Cloud-Angebot entwickelt sich
dynamisch. Zuletzt konnte das Unternehmen nach eigenen Angaben beobachten, wie
die Anzahl der Objekte um bis zu 3,5 Milliarden am Tag stieg - das sind mehr als
40 000 Objekte in der Sekunde. Amazon erreicht mit seiner Cloud nach wie vor in
erster Linie kleinere IT-Unternehmen oder auch Internethändler, die ohne größere
eigene IT-Ressourcen arbeiten. Allerdings sind inzwischen auch größere
Unternehmen hinzugekommen, die speziell definierte Aufgaben mit recht hohen
Anforderungen an Rechnerleistung in die Cloud verlagern. Gerade diese Angebote
treiben derzeit offenbar das Wachstum. Aufbauend auf dem reinen Speicherdienst
S3, sind bis heute rund 30 verschiedene Cloud-Angebote von Amazon entstanden.
Das Wachstum von Amazon hat längst auch Wettbewerber auf den Plan gerufen. So
arbeiten sowohl Google als auch Microsoft an Cloud-Diensten, die unmittelbar mit
dem Amazon-Angebot konkurrieren oder bieten diese längst an. Klassische
IT-Anbieter wie IBM oder Hewlett-Packard verwiesen mit Blick auf solche
öffentlichen Cloud-Dienste in der Regel auf die vermeintlich oder tatsächlich
höhere Servicequalität ihrer eigenen Dienste und auf Fragen zur
Schadensersatzpflicht bei einem Ausfall der öffentlichen Cloud, die nicht immer
verlässlich und aus Kundensicht zufriedenstellend geklärt seien.
Am selben Tag, an dem Amazon seine Billionen-Zahl verkündet hat, haben die
deutschen E-Mail-Portale GMX und Web.de Ergebnisse einer Studie zum Thema "Cloud
für Endverbraucher" vorgelegt. Die Online-Befragung von gut tausend deutschen
Internet-Nutzern ab 14 Jahren ergibt ein erstes repräsentatives Bild des bisher
wenig erforschten deutschen Cloud-Marktes. 50 Prozent der Befragten geben an,
mit dem Begriff "Cloud" das Speichern von Daten im Internet zu verbinden, aber
rund 40 Prozent räumten auch ein, mit dem Begriff nichts anfangen zu können. Ein
Viertel der Befragten gab an, Cloud-Dienste schon für das Speichern von
persönlichen Daten zu verwenden.
Bei der Frage nach den Anbietern wird die Spitzengruppe von Google (5,7
Prozent), Web.de und Dropbox mit jeweils 4,8 Prozent angeführt. Apples iCloud
erreicht 3,5 Prozent, Microsoft 3,4 Prozent.