Elektronische Lesegeräte sind willkommene Leichtversion für Urlauber mit
Lesehunger. Doch längst nicht jedes Format funktioniert auf jedem Reader. Und
beim Verleihen wird es ganz kompliziert.
Von Petra Kirchhoff
Für Urlauber mit einem großen Lesebedürfnis gibt es keine bessere Lösung.
Lesegeräte für elektronische Bücher, besser bekannt unter der englischen
Bezeichnung E-Book-Reader, haben Platz für mehrere tausend Bücher und wiegen
gerade einmal so viel wie ein gedrucktes Buch, so dass sich die persönliche
Bibliothek bequem im Handgepäck verstauen lässt.
Doch nicht nur auf dem E-Book-Reader, auch auf Tabletcomputern wie dem iPad von
Apple und auf Smartphones können Leser Bücher herunterladen. Es gibt inzwischen
die entsprechenden Apps und Buchshops. Der Nachteil: Die Flachcomputer sind
deutlich schwerer als spezielle Lesegeräte. Außerdem arbeiten sie mit
herkömmlichen LCD-Display und nicht mit der sogenannten E-Ink-Technik, bei der
die Schrift wie mit Tinte nachgezeichnet wird. Diese sorgt auf dem Display für
hohe Kontraste und macht den Text auch bei Sonne gut lesbar. E-Ink ist zudem
stromsparend, da nur beim Umblättern Energie verbraucht wird. Der Akku hält oft
mehrere Wochen. Das spricht für die E-Book-Reader.
Doch nicht jedes elektronische Buch lässt sich auch auf jedem Gerät lesen.
Verschiedene Dateiformate und Kopierschutzstandards verkomplizieren das System.
Am weitesten verbreitet ist das Format Epub, das man nahezu als Standard
bezeichnen kann. Es ist herstellerunabhängig und funktioniert auf den meisten
Lesegeräten. Darauf setzen große E-Book-Shops wie Libri und neuerdings auch die
Google-Onlineplattform für elektronische Bücher, Google Play. Apple-iBooks
unterstützt Epub ebenfalls.
Dagegen hat sich Internethändler Amazon, der mit dem Kindle ein eigenes und von
Testern hochgelobtes Lesegerät (verschiedene Versionen, 129 bis 189 Euro)
vertreibt, vom Markt abgeschottet. Amazon verkauft Bücher im Mobipocket-Format
und lässt auch nur dieses auf seinem Lesegerät zu. Die Folge: Ein Digitalbuch
aus dem iBook-Store von Apple etwa können Kindle-Nutzer nicht lesen. Allenfalls
können Epub-Bücher in das Amazon-Format umgewandelt werden, sofern sie nicht
kopiergeschützt sind. Umgekehrt funktioniere das allerdings nicht, schreibt die
Stiftung Warentest in ihrem aktuellen "Test"-Heft. Fazit: "Wer den Kindle will,
muss Amazon mögen."
Verwirrend kommt hinzu, dass es auch beim Kopierschutz verschiedene Systeme
gibt. Die kommerziellen Titel des deutschen Buchhandels im Epub-Format sind mit
der DRM-Technik von Adobe versehen, zu erkennen am Kürzel DRM ("Digital Rights
Management"). Es ist an jeweils einen einzigen PC gebunden. Weit verbreitet ist
auch Adept, das den Verleih eines Buches auf bis zu sechs Endgeräte erlaubt.
Allerdings müssen sich in diesem Fall alle Nutzer mit derselben Kennung
einloggen. Der Kindle von Amazon lässt Dateien mit Adept-Kopierschutz nicht zu.
Apple-Nutzer brauchen die Gratis-App Bluefire und ein Adobe-Konto mit den
entsprechenden Nutzungsrechten, um die DRM-Kopiertechnik auszuhebeln. Allerdings
können sie mit Bluefire auch die digitale Ausleihe vieler Bibliotheken nutzen
(siehe Kasten).
Grundsätzlich sind digitale Bücher günstiger als gedruckte, laut Stiftung
Warentest bis zu 30 Prozent, im Durchschnitt 20 Prozent. Die Buchpreisbindung
gilt auch für das digitale Produkt. Viele Klassiker kann man sogar gratis lesen.
Die Internetseite www.gutenberg.org ist dafür eine gute Adresse.
Freilich, auf dem deutschen Markt hat sich das E-Book bisher nicht durchgesetzt.
Der Marktanteil liegt gerade mal bei einem Prozent, auch wenn sich der Umsatz
nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels 2011 im Vergleich zum
Vorjahr verdoppelt hat. Das verwundert nicht.
Die Buchhandlung Hugendubel in Frankfurt hat inzwischen nur noch einen Gerätetyp
im Angebot: die Marke Trekstor, mit Bedientasten (beim Umblättern macht es
"Klick") und LED-Display (59,99 Euro). Das Gerät spielt auch Musik und zeigt
Farbfotos. Auch bei Saturn auf der Zeil ist die Auswahl nicht sehr groß.
Immerhin gibt es hier auch zwei der Gerätetypen, die bei einem aktuellen
E-Book-Reader-Test der Zeitschrift "Computerbild" gut abgeschnitten haben: der
Kobo E-Reader (99 Euro), dessen Akku im Test 135 Stunden durchhielt, was 8000
gelesenen Seiten entspricht (Platz 3), und der Sony PRS-T1 (140 Euro, Platz 2).
Testsieger wurde der seit Mai erhältliche Pocketbook Touch (159 Euro).