Saudi Aramco kappt Verbindungen / Neue Angriffe geplant
fib. FRANKFURT, 24. August. Eine bislang unbekannte Gruppe von
Computerhackern ist erfolgreich in die Rechner und Netzwerke der größten
Erdölgesellschaft der Welt, Saudi Aramco, eingedrungen. Dabei hat die sich auch
als "Cutting Sword of Justice" bezeichnende Gruppe nach Angaben von ihrer
Internetseite 30 000 Rechner der staatlichen saudi-arabischen Ölgesellschaft mit
Viren infiziert und vorübergehend außer Betrieb gesetzt. Für die kommenden Tage
sind weitere Attacken geplant. Wer hinter dieser Gruppe steckt, ist bislang
nicht bekannt.
Saudi Aramco teilte auf seiner Unternehmensseite im sozialen Netzwerk Facebook
mit, es habe vorübergehend "plötzliche Unterbrechungen" in seinen Systemen
festgestellt und diese vom öffentlichen und allgemein zugänglichen Datennetz
getrennt. Damit sollen größere Schäden verhindert werden. Die Produktion sei
bislang nicht von den Hackerangriffen getroffen worden. Die gesamten Förder- und
Transportsysteme des Unternehmens werden komplett über Computer gesteuert.
Fallen die Rechner des Unternehmens aus, kann kein Öl gefördert und
transportiert werden. Saudi-Arabien ist einer der wichtigsten Erdölförderer der
Welt.
Saudi Aramco soll derzeit rund 50 000 Computer in Betrieb haben. Zugänge auf die
Internetseite des Konzerns waren am Freitag gesperrt. Die Hacker drohten auf der
Internetplattform Pastebin an, das Unternehmen an diesem Wochenende wieder zu
attackieren. Samstagnachmittag sollen die Systeme abermals lahmgelegt werden,
hieß es in ihrer Mitteilung. Damit wollen die sich auch als Hacktivisten
bezeichnenden Hacker gegen jene Unterstützungen protestieren, welche die
Herrscherfamilie von Saudi-Arabien dubiosen Regimen, Organisationen und Gruppen
im Nahen und Mittleren Osten zukommen lässt.
In den vergangenen Wochen sind schon die Ölanlagen in Iran von mehreren
Computerattacken heimgesucht und teilweise auch außer Kraft gesetzt worden. Zu
diesen Angriffen hat sich bislang niemand bekannt (F.A.Z. vom 16. August).
"Hacktivisten setzen eher selten auf Schadsoftware, die Systeme komplett
lahmlegen", ließ sich Rob Rachwald von dem israelisch-amerikanischen
Softwareunternehmen Imperva zitieren. "Wenn das, was wir da jetzt gerade sehen,
ein Trend wird, könnte das sehr gefährlich werden", erklärte er weiter. "Falls
Saudi Aramco zum Stillstand kommt, wäre das der GAU in der Ölindustrie", sagte
Steffen Bukold, Analyst von Energycomment, einem Beratungshaus für Ölmärkte in
Hamburg. Das Unternehmen ist nach Angaben des Medienhauses Forbes die größte
Ölgesellschaft der Welt.
Saudi Aramco fördert am Tag rund 10 Millionen Barrel Erdöl; ein Barrel
entspricht 159 Liter. Damit erlöst der Konzern im Jahr deutlich mehr als 300
Milliarden Dollar. Darüber hinaus liegen unter dem Sand des von der
Herrscherfamilie der Al Sauds mit einem quasidiktatorischen politischen System
kontrollierten Wüstenstaates Ölreserven von geschätzten 260 bis 265 Milliarden
Barrel. Der Firmenwert von Saudi Aramco lag nach einer letzten öffentlich
gewordenen Schätzung aus dem Jahr 2005 bei fast 800 Milliarden Dollar. Das ist
das Doppelte des heutigen Marktwerts von Exxon Mobile, der größten
börsennotierten amerikanischen Ölgesellschaft.