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MENSCHEN & WIRTSCHAFT

Ein Freund des hohen Tempos

27.04.2012


Ulf Schneider führt den Gesundheitskonzern Fresenius gradlinig, durchsetzungsstark und erfolgreich


Zu den lauten und prominenten Managern Deutschlands gehört Ulf Schneider
nicht, wohl aber zu den wichtigen: Er führt den Gesundheitskonzern Fresenius in
Bad Homburg. Da dessen wichtigste Tochtergesellschaft Fresenius Medical Care,
der weltgrößte Dialyseanbieter, ebenso wie die Obergesellschaft zum Dax gehört,
ist Schneider sogar gleich für zwei der 30 Unternehmen verantwortlich, die zum
wichtigsten deutschen Aktienindex gehören. Für Schlagzeilen sind Fresenius und
Schneider vor allem dann gut, wenn größere Übernahmen anstehen - wie jetzt der
Zukauf der Krankenhauskette Rhön-Klinikum. Schneider hat da ehrgeizige Pläne:
Das Rhön-Klinikum soll mit der Fresenius-Klinikkette Helios zusammengeführt und
zum klaren deutschen Marktführer ausgebaut werden. Das klingt nach einem
ehrgeizigen Vorhaben, zumal Helios die Universitätsklinik Gießen-Marburg
mitübernehmen soll, mit der sich das Rhön-Klinikum erhebliche Schwierigkeiten
aufgeladen hat.

Doch Schneiders bisheriges Wirken lässt vermuten, dass er Schwierigkeiten wie
Chancen einer solchen Großübernahme genau durchgerechnet hat. Zu seiner
Erfolgsgeschichte gehören schon einige Milliardenzukäufe in den vergangenen
Jahren: 2006 erwarb der Konzern den Dialyseanbieter Renal Care für 3,6
Milliarden Euro, 2008 den Infusionshersteller APP für 5 Milliarden Euro und 2011
den Dialysebetreiber Liberty für 1,7 Milliarden Euro. Bei all diesen Einkäufen
gab es zunächst Skepsis wegen der hohen Kaufpreise und die Befürchtung, dass
sich Fresenius wegen der zunehmenden Verschuldung und der beschränkten
Managementkapazitäten übernehmen könnte.

Doch Schneider lieferte stets, was er versprach: Alle Zukäufe gelangen letztlich
einigermaßen reibungslos. Jahr für Jahr weist der Konzern Rekordergebnisse aus.
Das hängt wesentlich mit Schneiders Führungsstil zusammen, der von
Gradlinigkeit, Durchsetzungskraft und hohem Tempo geprägt ist. Zudem ist er
nicht nur in den Führungsetagen seiner Unternehmen anzutreffen, sondern nimmt
sich auch ein paar Tage Zeit im Jahr, um als Krankenpfleger in der eigenen
Klinik oder im Außendienst Erfahrungen zu sammeln, wie sein Konzern an der Basis
funktioniert - um jeweils auf dem Rückweg Empfehlungen an seine Führungskräfte
aufzusetzen, wie die Basis noch verbessert werden kann.

Der 47 Jahre alte Schneider stammt aus Neuwied. Er studierte
Wirtschaftswissenschaften in St. Gallen und machte einen MBA-Abschluss an der
Harvard Business School. Früh dran war er immer: Schon mit 24 Jahren begann er
seine Managerkarriere beim Duisburger Haniel-Konzern, bei dem er zwölf Jahre
blieb. Am Ende seiner Haniel-Zeit war er für die Finanzen der britischen
Landesgesellschaft des Arzneimittelgroßhändlers Gehe zuständig. Somit hatte er
schon erste Erfahrungen im Gesundheitswesen mit seinen langen Entwicklungszyklen
und der strengen staatlichen Regulierung erworben, als er 2001 zum
Fresenius-Konzern wechselte. Dorthin wurde er als Finanzvorstand für Fresenius
Medical Care (FMC) geholt. Ein Anreiz zum Wechsel war wohl auch seine - durch
den Studienaufenthalt in Harvard genährte - Verbundenheit zu den Vereinigten
Staaten, deren Pass Schneider neben dem deutschen trägt: Dort hat FMC den klaren
Geschäftsschwerpunkt, und dort verbringt Schneider auch einen größeren Teil
seiner beruflichen Zeit. Daran hat sich seit 2003 nichts geändert, als er zum
Chef der Muttergesellschaft aufstieg, An Amerika reizt ihn keineswegs nur der
Gesundheitsmarkt. Vielmehr kommen ihm die amerikanischen Werte wie Optimismus,
Freude an der eigenen Leistung oder auch Fortschrittsglauben entgegen. Über
seine privaten Vorlieben ist weniger bekannt. So beschäftigt er sich mit
Landschaftsfotografie und -malerei. Zu seinen Hobbys gehört das Radfahren, zudem
ist er Marathonläufer, und mit beiden Sportarten verbringt er vermutlich mehr
Zeit als mit gutem Essen, wie seine Figur verrät.

MICHAEL PSOTTA