Unternehmen lassen Beschäftigte wieder häufiger reisen / Studie des Branchenverbands
tko. FRANKFURT, 17. Juni. Luxus war gestern, heute ist Sparsamkeit
angesagt. Gemäß dieser Devise plant die Mehrzahl deutscher Unternehmen die
Dienstreisen ihrer Beschäftigten. Geflogen wird in der Economy-Class,
übernachtet wird im Dreisternehotel, und vor der Buchung werden eifrig Preise
verglichen. Wenig ist vom Komfort früherer Jahre geblieben - Manager und
Monteure auf Geschäftsreisen sind immer seltener Reisende erster Klasse. Den
Fünfsternehotels sind sie als Kunden fast komplett verloren gegangen. Doch
nachdem Konzerne und mittelständische Betriebe über Jahre die Reiseausgaben
gesenkt haben, sehen sie nun Sparpotentiale ausgereizt. Das ergab eine Studie,
für die der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) 800
Reisekostenverantwortliche in deutschen Unternehmen befragte.
"Die Unternehmen haben ihre Kompetenz im Umgang mit den Reisekosten verbessert,
so dass das Ende der Fahnenstange an vielen Stellen erreicht ist", fasst
VDR-Präsident Dirk Gerdom, im Hauptberuf Leiter des Reisemanagements im
Softwarekonzern SAP, die Ergebnisse der Studie zusammen. Nur 14 Prozent der
Unternehmen sehen noch Chancen, das Planen, Buchen und Abrechnen von
Dienstfahrten weiter zu optimieren. Vor fünf Jahren hatte noch jeder dritte
Betrieb Sparpotentiale identifiziert. Seitdem sind die Kosten für die
durchschnittliche Geschäftsreise um 20 Euro auf 296 Euro gesunken.
Mehr Sparen geht nicht, heißt es nun - es sei denn, man verzichte auf Reisen.
Doch dazu wollen sich die wenigsten Unternehmen durchringen, neun von zehn
befürchten laut VDR dann Umsatzeinbußen. Durch den Verzicht auf Reisen werde
weniger gespart als an Umsatz verloren gehe. "Reisen, insbesondere zum
Neugeschäft, werden als Wachstumsgarant nie ersetzbar sein", heißt es in der
Studie.
2011 genehmigten Unternehmen hierzulande daher erstmals wieder mehr Reisen als
zu Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008. Rund 8,8 Millionen Mitarbeiter traten
insgesamt 164 Millionen Reisen an. Das sind knapp 6 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die Ausgaben stiegen hingegen lediglich um 3 Prozent auf 44,8 Milliarden Euro
und liegen damit um rund 2 Milliarden Euro unter dem Niveau von 2008. Ein Grund
dafür ist, dass Beschäftigte häufiger angehalten werden, am Tag ihres
Außentermins die Rückfahrt anzutreten. Fast 55 Prozent aller Reisen sind
mittlerweile Eintagestouren, ein Rekord seit Beginn der Erhebungen. Und damit
nicht genug: Nach der Rückkehr müssen Beschäftigte in Kauf nehmen, dass ihre
Abrechnungen penibel geprüft werden. Nur noch 25 Prozent aller Unternehmen
glauben, durch Billigflüge die Reisekosten im Rahmen zu halten. Die Mehrheit der
Betriebe legt der VDR-Studie zufolge stattdessen Wert auf die "strikte
Einhaltung" der genehmigten Budgets, 2006 war das erst jedem vierten Unternehmen
wichtig.
Für 2013 dürfen Fluggesellschaften und Hotels indes auf ein Erstarken der
Nachfrage von deutschen Firmenkunden hoffen, während 2012 laut einer Prognose
der Weltgeschäftsreiseorganisation GBTA ein Jahr der Stagnation wird. "Im Jahr
2013 wird erwartet, dass die Ausgaben für Geschäftsreisen im Zuge einer
wirtschaftlichen Erholung der Eurozone um geschätzte 5,4 Prozent zunehmen",
lautet der hoffnungsvolle Ausblick der GBTA.