Gruppe erreicht mehr als 1 Milliarde Euro Umsatz
sup. STUTTGART, 12. Juni. Die längst geplante "Milliardenfeier" hat durch
die Krise in Südeuropa auf sich warten lassen - doch gerade noch rechtzeitig vor
dem Ende des Geschäftsjahres 2011/2012 meldete Berner-Vorstand Lothar Aulich
Vollzug: Der Milliardenumsatz war am 22. März geschafft. Für das Gesamtjahr
vermeldet die Berner-Gruppe einen Umsatz von 1,029 Milliarden Euro, der mit dem
Direktvertrieb von Schrauben und anderem Befestigungsmaterial sowie Werkzeugen
vor allem für das Kraftfahrzeug- und das Bauhandwerk erzielt wurde. "Wir sind
leicht hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Wir sind dennoch zufrieden",
sagte Aulich, Vorstand der Berner SE, Holding des Familienunternehmens. Er lobte
vor allem die Leistung der italienischen Mitarbeiter, die es geschafft hätten,
trotz herber Umsatzrückgänge in der Gewinnzone zu bleiben und dennoch alle
Mitarbeiter zu halten. In Spanien verbucht Berner dagegen deutliche Verluste, in
Portugal bewegte sich das Ergebnis gerade noch um die Nulllinie herum, mit
fallender Tendenz, wie Aulich vermerkte.
Dank zweistelliger Umsatzzuwächse in Ländern wie der Schweiz, den nordischen
Staaten und in Südosteuropa kam Berner noch auf ein organisches Umsatzplus von
6,4 Prozent. Die zum Jahreswechsel erfolgte Akquisition von Barnes mit 80
Millionen Euro Jahresumsatz hat zu einem Gesamtwachstum von 8,5 Prozent geführt.
Am stärksten wirkt sich der Zukauf in der Berner-Sparte Caramba aus, deren
Umsatz um mehr als 40 Prozent auf 114 Millionen Euro wuchs. Nach zahlreichen
Akquisitionen soll diese Marke als führender Systemanbieter von Chemieprodukten
für Reinigung, Wartung und Pflege positioniert werden.
Trotz kräftigem Wachstum hat Berner das Ergebnis nicht verbessern können. Das
Ergebnis vor Steuern sackte vielmehr um 19 Prozent auf 34 Millionen Euro ab.
Aulich begründete das unter anderem mit Akquisitionskosten, Anlaufverlusten und
Firmenwertabschreibungen der übernommenen Unternehmen.
Mit einem Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich kalkuliert Aulich in
diesem Jahr. Allerdings verweist er auf die hohen Unsicherheiten in Europa:
"Dass etwa die Niederlande innerhalb kürzester Zeit in die Rezession abgerutscht
sind, zeigt, wie volatil die Märkte sind", sagte Aulich. "Lediglich Deutschland
erscheint als feste Größe." Der mit 39 Prozent Umsatzanteil größte Markt hat im
zurückliegenden Geschäftsjahr einen Zuwachs von gut 3 Prozent realisiert. Aulich
warnte aber: "Wir werden nur weiter wachsen können, wenn wir genügend
qualifizierte Mitarbeiter finden und wenn es uns gelingt, vorhandene Mitarbeiter
an uns zu binden." Berner habe daher intensiv an seinem Vergütungssystem
gearbeitet und versuche auch durch interne Förderung Akzente zu setzen. Im
laufenden Geschäftsjahr wolle Berner 300 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.
Ende März beschäftigte Berner 9052 Mitarbeiter, rund 10 Prozent mehr als im
Vorjahr. Knapp ein Drittel der Belegschaft entfällt auf deutsche Standorte. Zwei
Drittel der Berner-Beschäftigten sind im Außendienst tätig.
Während Berner seit zwei Jahrzehnten von familienfremden Managern geführt wird,
soll im Herbst Christian Berner, der 28 Jahre alte Sohn des Unternehmensgründers
Albert Berner, in den Vorstand einziehen. "Das stärkt unsere Identität als
Familienunternehmen. Wir freuen uns alle schon auf ihn", sagte Aulich, der als
Finanzexperte die Berner SE leitet, seitdem im Februar Berner-Chef Jörn Werner
zum Elektronikhändler Conrad wechselte. Christian Berner, der aktuell noch seine
Promotion zum Thema Familienunternehmen abschließt, gehört derzeit ebenso wie
seine Schwester Kerstin Berner-Göbel dem Aufsichtsrat an.