Frank Strauß
Er setzte sich in einer der härtesten Mannschaftssportarten durch: Frank
Strauß spielte viele Jahre professionell Eishockey. Jetzt führt er die Postbank.
Von Markus Frühauf
An diesem Montag steht für Frank Strauß der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere
an: Er wird Vorstandsvorsitzender der Postbank - und das, obwohl er kein
Hochschulstudium absolviert hat. Dabei ist auf den Vorstandsetagen der Banken
ein Universitätsabschluss heutzutage fast schon Standard. Doch als Strauß 1989
seine Lehre in der Deutschen Bank begann, hatte er ein prominentes Vorbild, dass
es auch ohne Studium geht: Hilmar Kopper, von 1989 bis 1997 Vorstandssprecher
des Instituts, hatte seine Karriere einst ebenfalls mit einer Lehre begonnen.
Dass der heute 42 Jahre alte Strauß überhaupt Karriere in einer Bank machte,
dafür ist nicht zuletzt ein Bandencheck in einem Eishockeyspiel vor mehr als
zwei Jahrzehnten verantwortlich. Die schwere Handverletzung zwang den damals 19
Jahre alten Auswahlspieler zu einer neunmonatigen Zwangspause. "Die Verletzung
hat zu meinem Entschluss beigetragen, nicht nur auf die Sportkarriere zu setzen,
sondern mich mehr auf meine Banklehre zu konzentrieren", sagt er. Seine
Ausbildung zum Bankkaufmann machte Strauß bei der Deutschen Bank in Iserlohn.
Für den dort ansässigen Eishockeyverein ECD Sauerland spielte er von 1989 bis
1993 in der zweithöchsten deutschen Eishockeyliga.
Seine Bekanntheit in Iserlohn, wo Eishockey der beliebteste Zuschauersport ist,
kam ihm in den ersten Jahren am Schalter und im Kreditgeschäft der Deutschen
Bank zugute. "Das hat mir natürlich Türen geöffnet." Im Alter von 25 Jahren
stieg er zum stellvertretenden Filialleiter auf. Danach folgte eine rasche
Karriere in Deutschlands größter Bank. Mit dem Vorstandsvorsitz der Postbank,
die seit einiger Zeit mehrheitlich der Deutschen Bank gehört, übernimmt er nun
eine Schlüsselposition im Konzern.
Die Aufgabe, die dort auf Frank Strauß wartet, ist eine bedeutende: Die Postbank
soll die Abhängigkeit der Deutschen Bank vom schwankungsanfälligen
Investmentbanking verringern. Obwohl Strauß als Entsandter des neuen Eigentümers
dessen Interessen zu vertreten hat, gelang es ihm, sich im vergangenen Jahr in
der Bonner Zentrale der Postbank als Vertriebsvorstand eine hohe Beliebtheit zu
erarbeiten. Selbst der Betriebsrat lobt seinen Führungsstil.
Zu diesem Lob mag beitragen, dass der frühere Eishockey-Stürmer ein
bodenständiger Mensch ist. Die Mitarbeiter in der Postbank-Zentrale schätzen es
zum Beispiel, dass er regelmäßig in der Kantine isst. "Ich bin ein
Mannschaftsspieler und setze auf Fairplay." Im Umgang mit Mitarbeitern bedeute
dies: "Klarheit und Fairness". Dabei schöpft er aus seinen Erfahrungen im
Eishockey: "Mit einer unfairen Spielweise kann man sich vielleicht einmal
durchsetzen, aber man hat damit nicht langfristig Erfolg."
Dass er früher auch ordentlich ausgeteilt hat, lässt sich in der
Internetenzyklopädie Wikipedia nachlesen: Er erzielte in den neun Jahren seiner
Profikarriere 67 Tore, machte 129 Torvorlagen und musste 240 Spielminuten auf
der Strafbank absitzen. "Damit bewege ich mich im Durchschnitt", sagt er heute.
Bleibt anzumerken: im Durchschnitt einer der härtesten Mannschaftssportarten.
Strauß ist überzeugt, dass auch seine Mitarbeiter gefordert werden müssen. Mit
den Aufgaben zu wachsen, nennt er ein Charakteristikum seines Berufswegs. "Zum
Fordern gehört aber auch das Fördern und das gemeinsame Feiern von Erfolgen",
zieht er eine weitere Parallele zwischen Beruf und Sport.
Dass Strauß in Deutschlands größter Bank ohne Hochschulstudium Karriere machen
konnte, hat für ihnen einen wesentlichen Grund: "Ich hatte das Glück, dass ich
von Anfang an Vorgesetzte hatte, die mir vertrauten und mich förderten." Mit 25
Jahren stand Strauß vor der Frage, ob er nicht doch noch ein Studium beginnen
sollte. Doch die Entscheidung fiel zügig - zugunsten der Deutschen Bank: "Ich
wollte mehr von der Bank sehen." Er wechselte in die Frankfurter Zentrale. Dem
Eishockey blieb er zunächst treu. Er spielte weiter in der zweithöchsten Liga
für den hessischen Traditionsverein EC Bad Nauheim.
In der Zentrale der Deutschen Bank wurde er zunächst Produktmanager für das
gewerbliche Kreditgeschäft. Später leitete er das Projekt für den Start der
Deutschen Bank 24. Unter dieser Marke bündelte das Institut 1999 sein
Filialgeschäft. Viele Kunden fühlten sich allerdings deklassiert, weshalb die
Ausgliederung drei Jahre später wieder rückgängig gemacht wurde. Von 2002 an
arbeitete Strauß eng an der Seite von Rainer Neske, der seit März 2003 das
Privatkundengeschäft der Deutschen Bank verantwortet. Strauß übernahm diverse
Führungsaufgaben, etwa als Bereichsleiter für das Europa-Geschäft.
Seine sportlichen Ziele gab er zwischenzeitlich auf, 1999 beendete Strauß seine
Eishockeykarriere. "Die Entscheidung ist mir anfangs natürlich schwergefallen,
aber im Nachhinein war es dann leichter als gedacht." Strauß wollte sich auf
seine Karriere in der Deutschen Bank konzentrieren. "Mit 28 Jahren habe ich mir
auch überlegt, ob es Spaß macht, sich als Eishockeyspieler bis Mitte dreißig
durchzuquälen." Der internationale Bankkonzern konnte Strauß interessantere
Perspektiven bieten als die zweithöchste deutsche Eishockeyliga. Im Alter von 34
Jahren wurde ihm die Verantwortung übertragen, das Privatkundengeschäft in Asien
aufzubauen. Strauß zog mit seiner Familie in die indische Metropole Mumbai, das
ehemalige Bombay. Die zwei Jahre in Fernost - neben Indien war Strauß auch
regelmäßig in China im Einsatz - prägten ihn maßgeblich. "In dieser Zeit habe
ich mich enorm weiterentwickelt." 8000 Kilometer von der Zentrale in Frankfurt
entfernt lernte er vor allem, was es heißt, eigenverantwortlich zu arbeiten.
"Ich musste viele Themen selbst entscheiden."