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Kraftwerk im eigenen Haus

27.06.2012



Mit Mikro-Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen gibt es effiziente Geräte, die in
Ein- und Zweifamilienhäusern für Wärme und Strom sorgen. Wann aber macht der
Einsatz einer stromerzeugenden Heizung Sinn?
VON RAMON PROSKE.
Geht es nach dem Willen der Politik, steigt der Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung
(KWK) an der Stromerzeugung in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 25 Prozent.
Angesichts des veralteten Heizungsbestands von fast vier Millionen Öl- und fast
sechs Millionen Gaskesseln, die vor 1998 installiert wurden, bietet sich ein
enormes Potential für die dezentrale Stromerzeugung in Wohngebäuden.

Doch um die Anlagen sinnvoll zu nutzen, müssen einige Voraussetzungen erfüllt
sein. Die Geräte werden mit Erdgas oder Bio-Erdgas betrieben, ein
Erdgasanschluss ist daher notwendig. Dieser ist oft vorhanden, da fast jede
zweite Wohnung mit Erdgas beheizt wird. Eine weitere wichtige Voraussetzung ist
ein ausreichend großer Wärmebedarf von mindestens 20000 Kilowattstunden pro
Jahr. Damit die Mikro-KWK-Anlage aber auch im Sommer effizient arbeitet, wenn
weniger Heizwärme gefragt ist, sollte die Warmwasserbereitung über einen
Speicher erfolgen und nicht über Durchlauferhitzer, die an den einzelnen
Zapfstellen installiert sind. Dadurch ist sichergestellt, dass die Anlage die
bei der Stromproduktion anfallende Wärme sinnvoll nutzen kann. Im Winter, wenn
der Wärmebedarf groß ist, schaltet sich ein gekoppeltes Brennwertgerät zu, um
Spitzenlasten auszugleichen.

Technisch handelt es sich bei Mikro-KWK-Anlagen der jetzigen Generation zumeist
um Stirling- oder Ottomotoren. Mit der Installation gehen in der Regel keine
besonderen Herausforderungen einher. Die Abgasabführung kann in vielen Fällen
weiter benutzt werden oder lässt sich mit dem Einzug eines Kunststoffrohrs
einfach und preiswert herstellen. Ausreichend Platz für die Aufstellung ist
vorzusehen, da nicht nur die Mikro-KWK-Anlage, sondern auch ein Speicher
aufgestellt werden muss. Ein herkömmlicher Heizungskeller bietet dafür
ausreichend Platz.

Energiekosten sinken deutlich Der Einsatz von stromerzeugenden Heizungen wird
gemäß KWK-Gesetz durch die Einspeisevergütung und den KWK-Zuschlag zehn Jahre
lang gefördert. Demnach gibt es für jede Kilowattstunde selbst produzierten
Strom zurzeit 5,11 Cent sowie für eingespeisten Strom zusätzlich eine Vergütung,
die sich am Marktpreis orientiert, der an der Leipziger Börse notiert ist. Zudem
erhält der Betreiber der Mikro-KWK-Anlage eine Energiesteuerrückerstattung auf
das verbrauchte Erdgas vom zuständigen Zollamt. Das Institut für Technische
Gebäudeausrüstung kommt in einer Beispielrechnung zu dem Ergebnis, dass die
Einsparungen einer Mikro-KWK-Anlage, die einen 20 Jahre alten
Gas-Niedertemperaturkessel ersetzt, jährlich mit 35 Prozent geringeren
Energiekosten für Strom und Wärme einhergeht, was über 1200 Euro ausmacht.
Betrachtet wurde der Fall eines Einfamilienhauses mit 150 Quadratmetern
Wohnfläche gemäß Wärmschutzstandard nach Wärmeschutzverordnung 1982.

Wartungsvertrag abschließen Angesichts der im Vergleich zur Brennwerttechnik
höheren Anschaffungskosten, die bei 12000 Euro und mehr liegen können, ist es
auch eine Überlegung wert, die Anlage im Rahmen von Contracting zu betreiben.
Viele Energieversorger bieten derartige Lösungen an. Die Investitionskosten
müssen beim Contracting nicht auf einen Schlag selbst getragen werden, und der
Hauseigentümer hat die Sicherheit, über eine lange Laufzeit von üblicherweise 10
bis 15 Jahren den kompletten Service und vor allem eine entsprechend lange
Gewährleistung in Anspruch nehmen zu können. In jedem Fall ist es sinnvoll und
in vielen Fällen sogar unumgänglich, mit der Anschaffung der stromerzeugenden
Heizung auch zugleich einen Wartungsvertrag abzuschließen. Eigentlich ist dies
aber selbstverständlich, da Mikro-KWK-Anlagen wie Automobile von einem Motor
angetrieben werden, der enorme Laufzeiten bewältigen muss.

Ramon Proske, Leiter Energiedienstleistungen und Contracting Stadtwerke Duisburg
AG