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Offshore-Steckdosen sind heute teure Einzelstücke

Erst ganz am Anfang der Lernkurve

10.07.2012



Der Aufbau leistungsstarker Windparks in Nord-und Ostsee geht nicht ohne
die nur von ABB und Siemens angebotene HGÜ-Stromübertragungstechnik. Welche
Herausforderungen dabei für die Anlagenbauer entstehen, erklärt Martin
Schumacher, Vorstand der deutschen ABB und zuständig für den Bereich
Energietechnik.
Beim Anschließen von Offshore-Windparks steht man in Deutschland noch am Anfang.
Um die weit vor der Küste stehenden Windräder an das Stromnetz an Land
anschließen zu können, braucht man Offshore-Steckdosen, was mit einem enormen
Investitionsaufwand verbunden ist. Wie viele dieser Anlagen werden benötigt?

Derzeit sind in der Nordsee sieben Netzanbindungen von Offshore-Windparks
entweder gebaut, das gilt für Borwin 1, in der Abwicklung oder beauftragt. Mit
der Netzanbindung Dolwin 2 können beispielsweise drei große Windparks in diesem
"Cluster" angeschlossen werden. Dieses Projekt wird mit mehr als 900 MW die
leistungsfähigste Windpark-Anbindung weltweit sein. Bisher sind in der Nord- und
Ostsee mehr als 6000 MW Netzanbindungskapazität beauftragt, so dass die
Netzbetreiber zum Erreichen der Ausbauziele von bis zu 25 000 MW im Jahr 2030
noch weit mehr als zehn Anlagen vergeben müssen. Hier ist auch zu
berücksichtigen, wie steil die Technologiekurve sein wird.

Der Ausbau der Offshore-Windkraft kommt nur schleppend voran. Wo liegen die
Engpässe?

Bei den für die Netzanbindung der Windräder benötigten Offshore-"Steckdosen" und
auch bei den Offshore Windparks selbst betreten alle Beteiligten Neuland. Es
handelt sich hier um Pionierentwicklungen mit allen damit erfahrungsgemäß
verbundenen Schwierigkeiten. Das beginnt bei der Kapitalbeschaffung, den damit
eng verbundenen Genehmigungsverfahren und, ganz wichtig, den bei derartigen
Investitionen zu klärenden Haftungsfragen. Doch vieles davon wird einfacher
werden, wenn ein gewisses Maß der Standardisierung erreicht ist und nicht für
jede Anlage alles neu geregelt werden muss.

Der Netzanschluss von leistungsstarken Windrädern weit vor der Küste ist ohne
Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Steckdosen (HGÜ) nicht machbar. Wie reif
ist diese Technik, sagt doch etwa der Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann,
dass vieles in diesem Bereich noch nicht erprobt sei?

ABB baut seit über 50 Jahren HGÜ-Anlagen. Weltweit gibt es mittlerweile 150
solcher Verbindungen, von denen wir mehr als die Hälfte gebaut haben. Daher kann
man sagen, die Technik funktioniert und ist erprobt. Dennoch bleiben einige
Herausforderungen beim Aufstellen der Anlagen unter den Umgebungsbedingungen der
rauhen Nordsee. Wir stehen mit der Offshore-HGÜ-Technik ganz klar erst am Beginn
der Lernkurve, wobei klar ist, dass alle benötigten Komponenten - vom Seekabel
bis zum Konverter - für diese Anwendung nicht neu erfunden werden müssen.
Vielmehr gilt es, die elektrischen Gewerke störungssicher zusammenzufügen,
müssen diese Anlagen doch 30 bis 40 Jahre zuverlässig arbeiten.

Die Fragen stellte Georg Küffner