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Graben verboten!

18.07.2012


Suche nach sinnvollen Warnhinweisen auf Endlagern


Die Ewigkeit dauert 100 000 Jahre. So lange strahlen radioaktive
Abfallprodukte, und so lange sollen sie in erdbebensicheren Endlagern im
Untergrund ruhen. Doch nicht nur um die Sicherheit des Atommülls machen sich
Wissenschaftler Sorgen, sondern auch um die Frage: Wie warnt man Menschen in der
Zukunft, die möglicherweise von den Endlagern nichts mehr wissen, vor der
Strahlung?

Als eine Frage der ethischen Verantwortung gegenüber künftigen Generationen
bezeichneten Wissenschaftler aus Schweden und Frankreich während eines Vortrags
auf dem "European Science Open Forum" (Esof) in Dublin die Suche nach dem
Warnschild für die Ewigkeit, an dessen Design Ingenieure, Archäologen,
Theologen, Linguisten und Zukunftsforscher gemeinsam arbeiten. Das Ergebnis
ihrer Untersuchungen ist alles andere als ermutigend. Einfach nur den Zugang zu
versiegeln und zu hoffen, dass niemand nach Öl oder Wasser bohre, sei keine
Lösung, sagte der Archäologe Anders Högberg von der schwedischen
Linnéuniversitetet. "Wir müssen nicht nur vor der Gefahr warnen, sondern auch,
warum es so gefährlich ist und dass man dort nicht graben darf", fügte sein
Kollege Cornelius Holtorf hinzu. Högberg untersucht mögliche Parallelen in der
menschlichen Entwicklung vom Neandertaler bis zum Jahr 102 012. Er geht davon
aus, dass künftige Menschen auf eine Art denken werden, die heute nicht
vorstellbar sei. "Es ist fast unmöglich, mit der Zukunft zu kommunizieren." Das
hält die Forscher aber nicht davon ab, es trotzdem zu versuchen.

Schon das Material der Warnhinweise bereitet Probleme. Patrick Charton, der
Leiter des Teams der französischen Atommüllbehörde Andra, wies darauf hin, dass
Papier höchstens fünfhundert Jahre überdauere. Auf Steinen eingemeißelte
Nachrichten verwittern, und digitale Daten korrumpieren. Eine mögliche analoge
Lösung: handtellergroße Disks aus Saphir mit Gravuren, die immerhin ein
Mindesthaltbarkeitsdatum von einer Million Jahre haben. Ob sie aber in Archiven
oder um die Lagerstätte herum untergebracht werden sollen, ist unklar. Die
Behörde Andra setzt auf eine Kombination aus Archiven und Medien. "Es ist
trotzdem möglich, dass das Wissen darüber verloren geht", gab Charton zu.

Selbst wenn die Disks noch existieren, ist es unwahrscheinlich, dass eine der
derzeit gesprochenen Sprachen in Tausenden von Jahren noch bekannt ist. Niemand
kann die Schilder lesen. Abstrakte Methoden, wie etwa die Sprache der Mathematik
oder Bilder von Periodensystemen, scheiden auch aus: "Wir können nicht davon
ausgehen, dass es in Zukunft Experten gibt, die das verstehen können", sagte
Erik Setzmann von der schwedischen Atommüllbehörde SKB.

Zeichnungen wären eine Lösung, hätten nicht auch sie einen Haken: Piktogramme
sind nicht universal verständlich. Das Symbol für Strahlung etwa ist nicht an
sich furchteinflößend, weil es wie alle Verbotsschilder sehr abstrakt und
kulturspezifisch ist. Selbst wenn die Schilder die Millennien überdauern und
Bohrunfälle vermeiden, lösen sie nicht das größte Problem: die Neugier. Sie
werde, da sind sich die Forscher einig, selbst in 100 000 Jahren nicht abnehmen.
Stehe irgendwo ein Schild mit dem Hinweis "Hier nicht graben!", würde genau das
die Menschen dazu bringen, einen Spaten in die Hand zu nehmen, so Högberg.
Schatzsucher hätten sich in den Pyramiden von den Drohungen an den Wänden auch
nicht vom Plündern abhalten lassen. Wie aber vermittelt werden soll, dass die
Warnung todernst gemeint ist - darauf hatten die Wissenschaftler keine Antwort.

BETTINA DOBE