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Mehr Taschengeld für den Familienausflug

09.09.2012



Wissen Sie eigentlich, wie es um die Energieeffizienz Ihres Haushalts
bestellt ist? Ein Startup, nominiert in der Kategorie Nachwuchs des "Clean Tech
Media Award 2012", hilft bei der Nabelschau.
VON CHRISTOPH JUGEL.
Energieeffizienz ist ein wahres Zauberwort: Man kann den Energieverbrauch
senken, ohne die Lebensqualität zu reduzieren. Weniger Geld für gleichen Komfort
lautet also das Ziel. Wie das Freiburger Öko-Institut vorrechnete, kann ein
typischer Haushalt in Deutschland den jährlichen Stromverbrauch um rund 1000 kWh
reduzieren - das entspricht einer Ersparnis von fast einem Drittel gegenüber den
3400 kWh, die ein Zwei-Personen-Haushalt im Jahr 2009 durchschnittlich
verbrauchte.

Es gibt viele Geräte, die wir täglich nur kurzzeitig aktiv nutzen, die aber aus
Bequemlichkeit dauerhaft in Bereitschaft stehen. Dies bedeutet leider, dass die
Geräte auch bei Nichtbenutzung Strom verbrauchen. Wenig, aber dauerhaft. Und das
kostet: Nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur (dena) kostet jedes unnötige
Watt im Standby-Betrieb jährlich 2,10 Euro. Bei einem älteren Fernseher,
Faxgerät oder PC-Monitor kann diese Leistungsaufnahme im Standby-Betrieb pro
Gerät leicht 10 Watt ausmachen, was sich schon bei fünf Geräten auf 100 Euro im
Jahr summiert. Dafür könnte man mit seiner Familie entspannt ins Kino gehen. Und
ein großes Eis hinterher ist auch noch drin. Wie hoch der Standby-Verbrauch zu
Hause ist, lässt sich herausfinden: Notieren Sie den Zählerstand abends vor dem
Schlafengehen sowie am nächsten Morgen direkt nach dem Aufstehen. Aus der
Differenz beider Zählerstände können Sie den "Ruheverbrauch" Ihres Haushalts
berechnen, also den Stromverbrauch pro Stunde während der Zeit, in der Sie kein
Gerät aktiv genutzt haben. Beim Sichtbarmachen des Ruheverbrauches hilft
übrigens eine Software wie der kostenlose Econitor Online-Energiemonitor. Er
zeigt bei jeder Eintragung sofort an, wie hoch der Verbrauch in der jeweiligen
Zeitspanne war.

Als Faustregel gilt: Ein Kühlschrank verbraucht pro Stunde etwa 0,01 bis 0,045
kWh. Wenn der Ruheverbrauch pro Stunde deutlich höher ist, wird vermutlich
unnötig viel Strom verbraucht. Zum Auffinden von "Stromfressern" genügt übrigens
meist ein aufmerksamer Gang durch die Wohnung: Wenn an einem Gerät ein Lämpchen
brennt, sich das Gehäuse warm anfühlt oder das Gerät leise brummt, wird Energie
verbraucht. Die Hersteller von Haushaltsgeräten konnten den Energieverbrauch
ihrer Produkte in den vergangenen Jahren deutlich senken. Ein aktueller
200-Liter-Kühlschrank mit Tiefkühlfach verbraucht rund 117 kWh pro Jahr - nur
noch ein Drittel des Stromverbrauchs eines vergleichbaren Gerätes vor 15 Jahren.
Noch mehr wurde die Energieeffizienz bei Unterhaltungselektronik verbessert:
Während LED-Fernseher mit 40 Zoll Bilddiagonale vor fünf Jahren im Betrieb meist
150 bis 250 Watt benötigten, nehmen heutige Geräte gleicher Bildgröße nur 55 bis
75 Watt auf. Es lohnt sich also, beim Neukauf den Energieverbrauch der
angepriesenen Produkte genau zu vergleichen.

Auch wenn kein Neukauf ansteht, lohnt es sich, den Verbrauch der vorhandenen
Geräte zu prüfen. Ohne regelmäßige Kontrolle würde man nämlich nicht bemerken,
wenn zum Beispiel ein Kühlgerät durch einen Defekt unnötig viel Strom
verbraucht. Wie wichtig Transparenz ist, beschrieb kürzlich ein Econitor-Nutzer:
Der Nutzer hatte sich nach dem Urlaub in seinem Econitor-Konto eingeloggt, um
den Energieverbrauch seiner Mietwohnung zu überprüfen. Dabei fiel ihm auf, dass
während seiner Abwesenheit mehr Strom verbraucht wurde als erwartet. Auch das
Tagesdiagramm seines digitalen Energiezählers - ein kleines Gerät, das er im
Sicherungskasten installiert und mit Econitor verbunden hatte - sah ungewohnt
aus: Statt der üblichen Berg-Tal-Struktur durch das periodische An- und
Ausschalten des Kühlschranks zeigte die Grafik einen durchgehend hohen
Verbrauch. Der Kühlschrank war nämlich defekt und arbeitete nun dauerhaft statt
nur wenige Minuten pro Stunde, der Stromverbrauch des Geräts stieg dadurch von
rund 200 auf 800 kWh pro Jahr an. Hätte der Nutzer den Defekt nicht durch das
Energiemonitoring frühzeitig bemerkt, hätte er sich nach einem Jahr bereits über
Mehrkosten von 130 Euro geärgert.

Wenn Sie noch Glühlampen oder Halogenstrahler verwenden, können Sie hier mit
geringen Investitionen deutliche Einsparungen erzielen: Moderne LED-Lampen
benötigen für vergleichbare Helligkeit nur ein Siebtel des Energieverbrauches
einer klassischen Glühlampe. Wer seine Beleuchtung bislang nicht auf
Energiesparlampen oder LEDs umgestellt hat, wird dies übrigens bald tun müssen:
Am 1. September 2012 trat die letzte Stufe des EU-weiten Glühlampenausstiegs in
Kraft, so dass künftig keine herkömmlichen Leuchtmittel mehr erhältlich sein
werden. Für alle, die ihr Licht noch mit Glühlampen erzeugen, ist das ein guter
Zeitpunkt für ein Experiment: Dokumentieren Sie jetzt regelmäßig Ihren
Stromverbrauch und verfolgen Sie, wie die Stromkosten sinken, während Sie nach
und nach Ihre Beleuchtung modernisieren.

Für das private Energiemonitoring ist es grundsätzlich egal, ob man es mit
Bleistift und Papier betreibt, eine PC-Tabellenkalkulation nutzt oder ein
kostenloses Econitor-Konto führt. Wichtig ist, "am Ball" zu bleiben und
regelmäßig Zählerstände zu dokumentieren und auszuwerten. So können Sie
sicherlich schon bald eigene Einsparerfolge feiern und mit dem gesparten Geld
einen Ausflug unternehmen.

Christoph Jugel, Gründer und Geschäftsführer, Econitor GmbH, Berlin