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Zum MBA nach Asien

19.05.2012



Immer mehr Deutsche entscheiden sich für ein MBA-Studium in einem der
boomenden Länder Asiens. Fachleute warnen jedoch vor einem unübersichtlichen
Angebot und großen Qualitätsunterschieden.
Von Florian Vollmers
Beruflich ging es für Kerstin Pötzsch steil nach oben: Nach ihrer Ausbildung zur
Hotelmanagerin stieg sie in die Führung einer Luxushotelkette auf und wechselte
dann zu Konkurrenten in Europa und im Mittleren Osten. Im Jahr 2008 übernahm die
damals erst 32-Jährige die Verkaufsleitung bei Carlson Hotels Worldwide. "Es
lief sehr gut für mich", erinnert sich Kerstin Pötzsch. "Aber mir war bewusst,
dass ich mich für den nächsten Sprung auf der internationalen Karrieretreppe
wappnen musste." Die Hotelmanagerin entschied sich, berufsbegleitend an der
National University of Singapore (NUS) zu studieren und dort eine "Asia-Pacific
Executive MBA"-Ausbildung zu durchlaufen.

Das 18-monatige Programm führte sie in zweiwöchigen Studiensegmenten nach
Singapur, China, Indien, Indonesien, Vietnam und auf die Philippinen. Dozenten,
die selbst als Geschäftsführer in Unternehmen vor Ort tätig waren, lehrten
Pötzsch und ihre Kommilitonen asiatische Wirtschaftstrends, Unternehmenskulturen
und Umgangsformen. "Man muss sehr diszipliniert sein, um das hohe Pensum an Vor-
und Nachbereitungen durchzuarbeiten", erinnert sich Pötzsch an ihre Studienzeit,
die Ende des vergangenen Jahres zu Ende ging. "Schlaf war während der letzten
Monate purer Luxus."

Doch habe sich das Studium gelohnt: "Ich konnte im Bereich
Geschäftsfeldentwicklung sehr viele Kontakte gewinnen", berichtet die
Hotelmanagerin, die heute zwischen den Standorten Frankfurt und Singapur
wechselt. "Gerade in Asien kommt es darauf an, Trends rechtzeitig zu erkennen
und entsprechend zu reagieren. Ihre Erwartungen an das Studium hätten sich "auf
jeden Fall" erfüllt. Das dürfte auch für andere Absolventen gelten, immerhin
liegt nach Angaben der NUS der durchschnittliche Gehaltsanstieg der
MBA-Absolventen bei 140 Prozent.

Immer mehr Deutsche wechseln für ein wirtschaftliches Aufbaustudium in ein
asiatisches Land. Noch gibt es dazu keine genauen Statistiken. Das wachsende
Interesse an Asien ist nach Angaben von Fachleuten jedoch nicht zu übersehen.
"In Kommissionen, die über Förderung von Business-Tools an asiatischen
Hochschulen entscheiden, sind gerade in den letzten Jahren immer mehr Anträge
eingegangen", sagt Tim Goydke, an der Hochschule Bremen Studiengangsleiter des
MBA-Programmes "East Asian Management". Obwohl MBA-Programme an asiatischen
Hochschulen "wie Pilze aus dem Boden schießen", befinde sich die
Angebotsvielfalt noch in der Entstehung. "Noch vor zehn Jahren gab es praktisch
keine Studienprogramme für ausländische Studierende in China oder Japan", sagt
Goydke.

Besonders die Nachfrage nach MBA-Programmen an chinesischen Hochschulen ist
hoch. Dort liegt der Anteil von Studierenden aus einem anderen Land nach Angaben
des Staufenbiel Instituts bei 30 bis 40 Prozent. "Führend bei der Nachfrage sind
eindeutig China und Hongkong", sagt Klaus Birk, Gruppenleiter für die Region
Asien/Pazifik im Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Dabei reicht das
Angebot von der ersten Liga der internationalen Business Schools, zu denen die
China Europe International Business School gehört, bis hin zu kleinen lokalen
Anbietern, deren akademisches Niveau fragwürdig ist.

Tim Goydke von der Hochschule Bremen schätzt, dass MBA-Programme in Asien 10 000
bis 15 000 Euro kosten. "Damit liegen sie in etwa auf dem Niveau wie an den
europäischen Hochschulen." Noch vor einigen Jahren galten MBA-Programme in Asien
als billige Alternative zu einem Studium an einer Kaderschmiede in Amerika oder
Europa. Doch mit der steigenden Nachfrage haben auch die Asiaten die Preise
erhöht: An Spitzeneinrichtungen wie dem Singapurer Campus der internationalen
Business School Insead zahlt man 50 000 Euro je Programm. An amerikanischen
Kaderschmieden kostet ein MBA-Programm freilich mehr als 100 000 Euro.

Shooting Star unter den asiatischen MBA-Anbietern ist Indien: Rund 2000
Business-Schulen bieten dort Programme an. Zu den führenden Hochschulen zählt
das Indian Institute of Management. Viele deutsche Anbieter kooperieren mit
indischen Partnern und bieten gemeinsame Programme an, zum Beispiel die WHU -
Otto Beisheim School of Management, die Gisma Business School in Hannover oder
die Mannheim Business School.

Martin Wolf, Geschäftsführer der Deutschen Asia Pacific Gesellschaft in Köln
(DAPG), warnt jedoch vor übereilten Schritten: "Der Gang an eine asiatische
Hochschule macht wirklich nur dann Sinn, wenn man ein spezielles Interesse für
den Markt und die Unternehmenslandschaft vor Ort hat." Selbst versierte Manager,
die sich jahrelang sicher zwischen Europa und Amerika hin- und herbewegt hätten,
bekämen Schwierigkeiten mit der Sprache, den gesellschaftlichen Regeln und den
Gepflogenheiten der Geschäftsaufnahme, wenn sie nach Asien kämen. "Bevor Sie
beispielsweise nach Indien gehen, müssen Sie für sich auch klären, ob Sie in
diesem Land auch leben und sich bewegen können", sagt Wolf und rät zu einer
Informationsreise vorab. "Die Firmen in den Wachstumsmärkten expandieren und
rekrutieren ihren Nachwuchs auch unter MBA-Absolventen vor Ort."