Sprachtests sind die Eintrittskarte für ein Studium im Ausland. Das kostet Fleiß und Geld
VON BENEDIKT COEKOLL
Hochschulabschlüsse in der Ferne sind beliebt: Im vergangenen Jahr waren rund
120 000 deutsche Studenten an ausländischen Universitäten eingeschrieben. Neben
den Nachbarländern Schweiz und Österreich stehen englischsprachige Master- und
Doktoranden-Programme in den Niederlanden, Großbritannien und den Vereinigten
Staaten bei ihnen hoch im Kurs. Ob die Bewerber dafür geeignet sind, müssen sie
jedoch erst noch unter Beweis stellen. Standardisierte Sprachtests sind deshalb
obligatorisch.
Jeder Nichtmuttersprachler muss nachweisen, wie gut er auf akademischem Niveau
die englische Sprache beherrscht. Geprüft werden vor allem Lese- und
Hörverständnis sowie Sprech- und Schreibfähigkeiten. Der bekannteste dieser
Tests ist der TOEFL-Test. Er dauert vier Stunden, und praktisch jede Universität
akzeptiert ihn als Sprachnachweis. Test-Center dafür gibt es 37 in Deutschland.
Zwei Jahre können angehende Studenten die Ergebnisse für Hochschulbewerbungen
nutzen. Ebenso lang gültig ist der IELTS. Anbieter ist die Firma Cambridge ESOL.
Mit einer Dauer von zweieinhalb Stunden ist der Test deutlich kürzer als der
TOEFL. Studenten können ihn jedoch nur in 14 Test-Centern in Deutschland
absolvieren. Der dritte Test ist der CPE, auch als Cambridge-Zertifikat bekannt.
Die angehenden Auslandsstudenten können ihn an 48 Standorten in Deutschland
ablegen, der Test dauert jedoch bis zu sechs Stunden. Einmal bestanden, ist das
Zertifikat dann aber auch lebenslang gültig.
Die Hochschulen - darunter mittlerweile auch zahlreiche deutsche Unis, die rein
englischsprachige Studiengänge anbieten - erwarten für die Zulassung von ihren
Bewerbern einen guten "Score" in einem der drei Tests. Meistens verlangen sie
TOEFL oder IELTS.
Bewerber, die sich für ein Aufbaustudium entscheiden, müssen dazu häufig zeigen,
wie gut sie sich für weitere Uni-Jahre eignen. Die richtigen Kandidaten zu
finden ist für die Hochschule nicht ganz einfach: Wie vergleicht man
beispielsweise einen jungen Bachelor-Absolventen Anfang 20 mit einem
Berufstätigen Mitte 30, der sich nach zehn Jahren Abstinenz noch mal an die Uni
wagt? Oder wie die Bewerber aus den Vereinigten Staaten mit denen aus Asien oder
Deutschland?
Verschiedene Länder und Universitäten bedeuten unterschiedliche
Bildungsstandards. Viele Unis verlangen darum zusätzlich eine entsprechende
Punktzahl im sogenannten "GRE"-Test oder im Konkurrenzformat "GMAT", welches
sich vornehmlich an BWL-Studenten richtet. Beide Prüfungen sind ein echter
Kraftakt. Sie benötigen oft eine monatelange Vorbereitung und dauern knapp vier
Stunden.
Es geht nicht nur um Sprachkompetenz, sondern auch um Mathematik-Kenntnisse, die
Fähigkeit zu kritischem Denken und zu analytischem Schreiben. Alles auf
Englisch, versteht sich. Und gerne gespickt mit Vokabeln wie recalcitrant
(widerspenstig), obstreperous (ungebärdig) oder ambidexterity (Beidhändigkeit),
die selbst Muttersprachler vor Herausforderungen stellen.
Der enorme Zeit- und Lernaufwand ist die eine, die hohen Kosten sind die andere
Hürde, die es zu nehmen gilt. Für eine Bewerbung an einer britischen Universität
zum Beispiel muss man als Student tief in die Tasche greifen: In Deutschland
kostet der TOEFL mittlerweile 240 Dollar, der GMAT sogar 250 Dollar. Die
Übermittlung der Testergebnisse an bis zu vier Hochschulen ist im Preis
inbegriffen. Für jede weitere lassen sich die Anbieter jedoch rund 20 bis 30
Dollar überweisen.
Dabei bleibt es jedoch selten. Dazu kommen Ausgaben für Übungsmaterial und
Vorbereitungsliteratur in Höhe von mindestens 30 bis 40 Euro pro Test.
Vorausgesetzt man verzichtet auf eines der teuren Vorbereitungsseminare. Mehrere
private Sprach- und Trainingscenter bieten diese in Form von Ein- bis
Sechs-Wochen-Kursen an. Kostenpunkt: zwischen 1000 und 2000 Euro.
Viele Hochschulen verlangen zusätzlich zu den Testergebnissen noch eine
Bewerbungsgebühr von umgerechnet 60 bis 90 Euro. So kann allein die Bewerbung
für ein Wirtschaftsstudium in England locker 500 bis 600 Euro kosten.