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Bunte Globalmischung

17.09.2012



Eines der Standardthemen der Globalisierungsforschung ist die stark
wachsende Mobilität von Menschen. Sie geht nicht einher mit kultureller
Hegemonisierung. Zu beobachten ist vielmehr ein komplexes Wechselverhältnis
zwischen zunehmender globaler Vernetzung auf der einen und Heterogenität und
lokaler Differenzierung auf der anderen Seite. Doch was heißt das für jene
"modernen Nomaden", die sich in dieser Ordnung bewegen? Ist Diaspora keineswegs
nur Synonym für Leid und Vertreibung, sondern gar ein verheißungsvolles
Lebensmodell? Das Konzept Diaspora bleibt in diesem Sammelband, hervorgegangen
aus einer Vortragsreihe im Wiener Bruno Kreisky Forum für internationalen
Dialog, freilich diffus. Die positive Umdeutung von Diaspora als "reicher
Erfahrungsschatz" vermag den Band nicht wirklich zu tragen. Die Mitherausgeberin
Isolde Charim konstatiert einleitend durchaus die Schwammigkeit des Begriffs,
erachtet dies aber als "erhellend" und als "produktive Uneindeutigkeit". Sie
geht so weit, Diaspora als den "Schlüsselbegriff für heutige Gruppenbildungs-
und Identifikationsprozesse" zu bezeichnen. Die Beiträge des Bandes
repräsentieren eine bunte, bestenfalls lose miteinander verbundene Mischung:
Manche hochmögende Autoren liefern kalten Kaffee oder opake Wortakrobatik,
andere setzen kraftvolle Akzente, etwa der verstorbene Tony Judt, der in seinem
provokanten Essay fragt: "Ist Israel (noch) gut für die Juden?" (Isolde
Charim/Gertraud Auer Borea [Hrsg.]: "Lebensmodell Diaspora". Über moderne
Nomaden. transcript Verlag, Bielefeld 2012. 280 S., br., 24,80 [Euro].) eck